Warum eine Krippenausstellung?

Alle Jahre wieder macht das Museum der Alltagskultur eine Weihnachts- oder Krippenausstellung. Dafür steht uns ein großer Fundus zur Verfügung. Schwierig ist jedoch daraus jedes Jahr ein neues, individuelles Ausstellungsthema zu entwickeln. Zwar können die unterschiedlichsten Themen mit Krippen behandelt werden, aber die meisten Besucher und Besucherinnen kommen doch lediglich „nur“ um Krippen zu sehen.

Gut versteckte Krippe

Manche sind schon sehr gut versteckt. Hier gilt: Krippen entdecken! © Landesmuseum Württemberg

Wohin mit all den Krippen?

Dieses Bedürfnis wollten wir dieses Jahr aufs Besondere befriedigen und setzten uns die Maßgabe, so viele Krippen wie möglich im Museum der Alltagskultur zu zeigen. Alle beteiligten Kolleginnen und Kollegen haben jeweils die Krippen ausgewählt, die ihnen besonders am Herz lagen, die sie schon lange mal zeigen wollten oder die sie für eine Besonderheit halten. Diese Vielfalt der Geschmäcker und der Vorstellungen von Krippen bildet sich in der Ausstellung ab. Die zweite Herausforderung galt der Standortsuche. Welche Krippe passt an welchen Platz? Kaum stellt man sie auf, verändert sich der Raum: egal ob sie bunt, groß und auffällig ist, oder eher winzig und unscheinbar. Es hat sich daraus ein kleines Versteckspiel ergeben (deswegen heißt die Ausstellung auch: Krippen entdecken), die selbst dann noch spannend ist, wenn man alle Krippen und deren Standorte kennt. So gibt es eine Blechdosenkrippe in der Blechdosenvitrine, eine Playmobilkrippe in der Kunststoffvitrine und eine ganz puristische Krippe in der Vitrine zur Rationalisierung der Hausarbeit.

Krippe auf Umwegen

Besonders beliebt ist unsere „Hipster-Krippe“. Eine Krippe aus den USA, die 2016 auf Blogs, Twitter und Facebook Furore machte.

Hippster-Krippe

Hipster-Krippe. Mit Amazon-Paketen, Selfie-Wahn und Cafe-to-go hält diese Krippe den urbanen Hipstern einen Spiegel vor. © Landesmuseum Württemberg

Eine meiner ersten Bemühungen 2017 war es, diese Krippe zu besorgen. Trotz Internet und Globalisierung zog sich das Projekt über Monate hin: die Krippe wurde plötzlich nur noch innerhalb der USA verkauft. Glücklicherweise hat ein Kollege eine Schwester in Texas, die die Krippe für uns angekauft hat. Kaum hielt sie die Krippe in Händen zogen zwei Naturkatastrophen über die USA her und ein Versand nach Europa schien zu gefährlich. Dann endlich wurde die Hipster-Krippe auf den Weg gebracht. Hier angekommen, mussten wir feststellen, dass Josef der Arm abgebrochen war, also musste er noch in der Restaurierung „verarztet“ werden. Aber trotz all den Unwägbarkeiten ist die Krippe schlussendlich pünktlich eine Woche vor der Eröffnung komplett und vorzeigbar in Waldenbuch angekommen. Jetzt kann man sie endlich nicht mehr nur auf dem Monitor betrachten, sondern in einer Vitrine, die wir in ein Jugendzimmer von 1974 gestellt haben.

Ist das noch eine Krippenausstellung?

Genau genommen haben wir gar keine reine Krippenausstellung, sondern die Schausammlung des Museums zum Inhalt gemacht. Die Krippen kommentieren, verstärken oder widersprechen den Aussagen der Räume, in denen sie sich befinden. Sie sind damit nicht mehr „nur“ Inszenierungen der Geburt Jesu, denn sie zeigen anschaulich wie sehr unser Alltag durch Weihnachten geprägt ist und wie sehr unser Alltag Weihnachten prägt. Leicht kann man beim Betrachten der Ausstellung feststellen, dass Weihnachten eben nicht schon immer gleich gefeiert wurde, sondern immer Wandlungen unterlag. Gleichbleibend ist lediglich, dass wir jedes Jahr Weihnachten feiern, ob wir wollen oder nicht.

Puristische Krippe in der Ausstellung zur Rationiasierugn der Hausarbeit

Die Puristische Krippe von Oliver Fabel passt wunderbar in die Ausstellung zur Rationalisierung der Hausarbeit © Landesmuseum Württemberg

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