Kriegspropaganda im kleinen Format. Schwerter auf Medaillen des Ersten Weltkriegs

Das Jahr 2018 bot und bietet einige wichtige historische Jubiläen. Am 23. Mai jährte sich zunächst zum 400. Mal der Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs.

Im November erinnern wir uns dagegen an das Ende eines Kriegs: Vor genau 100 Jahren, am 11. November 1918, wurde der Waffenstillstand zwischen dem Deutschen Reich und den Westmächten Frankreich und Großbritannien unterzeichnet. Damit endete der Erste Weltkrieg – ein bis dahin beispielloser Konflikt, den die Historiker auch als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnen.

Eine mächtige Waffe in der Propaganda

Das Germania Denkmal in Duisburg-Homberg © Jochen Tack / Alamy Stock Photo

Germania-Denkmal in Duisburg-Homberg    © Jochen Tack / Alamy Stock Photo

Passend zu diesem Jubiläum thematisiert auch unsere aktuelle Große Sonderausstellung „Faszination Schwert“ den Ersten Weltkrieg.

Doch ist das nicht weit hergeholt? Schließlich hatte das Schwert im 20. Jahrhundert als Waffe schon längst ausgedient. Auf dem ideologischen Schlachtfeld der Propaganda war es allerdings so mächtig wie nie zuvor. „Man drückt uns das Schwert in die Hand“ rechtfertigte etwa Kaiser Wilhelm II. im Sommer 1914 seine Entscheidung zum Kriegseinsatz als aufgezwungene Notwehr. Das Schwert in der Hand war in diesem Kontext also Symbol für nationale Stärke und Wehrhaftigkeit.

In der Ausstellung sind daher Plakate, Postkarten und Denkmäler aus dem späten 19. Jahrhundert und dem Ersten Weltkrieg zu sehen, die das Schwert prominent in Szene setzen. Sie zeigen etwa Germania und Italia, die Verkörperungen von Deutschland und Italien, die mit dem Schwert ihre jeweiligen Gegner bedrohen und vertreiben.

Schwert und Medaille

Und auch auf Medaillen aus der Zeit des Weltkriegs erscheint das Schwert häufig. (Seitdem wir uns mit unserer Schwert-Ausstellung befassen, haben wir ohnehin den Eindruck, überall Schwerter zu entdecken …)

Seit jeher galt das Schwert als bevorzugte Waffe des Helden, mit der er seinen Gegner, sei er Mensch, Tier oder Monster, besiegte und damit für die zivilisierte Welt gegen die Barbarei kämpfte. Als älteste Tötungswaffe der Menschheit und dazu noch Herrschafts- und Rechtssymbol galt das Schwert als Waffe der Edlen und Tapferen.

So zeigt die Rückseite einer Medaille auf Paul von Hindenburgs Siege gegen die Truppen des Russischen Reichs 1914/15 den Oberbefehlshaber der 8. Armee, wie er den russischen Bären beidhändig mit dem Schwert erlegt. Hindenburg, erkennbar an seinem Bart, wird hier wie ein antiker Held nackt dargestellt.

Weltkriegsmedaille von August Hummel mit Brustbild Paul von Hindenburgs auf die Befreiung Ostpreußens (Rückseite), 1914 © Landesmuseum Württemberg, CC BY-SA

Weltkriegsmedaille von August Hummel auf die Befreiung Ostpreußens (Rückseite), 1914 © Landesmuseum Württemberg, CC BY-SA

Bedenkt man allerdings, dass im Ersten Weltkrieg zum ersten Mal Maschinengewehre, Panzer, Flugzeuge und sogar Giftgas zum Einsatz kamen, dann erscheint der Rückgriff auf das Schwert in der Propaganda wie aus der Zeit gefallen.

Und doch gaben die Medailleure ihren Helden häufig Schwerter in die Hand, um den ersten industriell geführten Krieg der Massen auf einen alles entscheidenden Zweikampf zu reduzieren. Ein weiterer eindrücklicher Beleg dafür, was für eine große symbolische Bedeutung das Schwert seit Jahrtausenden besaß, ja bis heute besitzt, und wie stark damals das Bedürfnis war, das komplexe Kriegsgeschehen auf den Kampf Gut gegen Böse herunter zu brechen und mit Sinn zu füllen.

Der „Wackre Schwabe“

Plakette „Der Wackre Schwabe“ (1915) © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart CC BY-SA

Plakette „Der Wackre Schwabe“, 1915      © Landesmuseum Württemberg CC BY-SA

Ein weiterer Beleg für die Wirkmächtigkeit des Schwerts in der Kriegspropaganda sind die sogenannten Kriegsnagelungen, die ab 1915 überall im Deutschen Kaiserreich stattfanden. Bei diesen öffentlichen Aktionen konnte jeder gegen eine Spende an das Rote Kreuz einen Nagel in eine überlebensgroße Holzfigur schlagen. Auch der König Wilhelm II. von Württemberg gab einen solchen Nagel- bzw. Eisenmann in Auftrag, um der Heimatfront Mut und Zuversicht zu spenden.

Es handelte sich um den „Wackren Schwaben“ aus Ludwig Uhlands Schwäbische Kunde (1814). Die Ballade handelt von einem tapferen schwäbischen Ritter aus dem Gefolge des staufischen Kaisers Barbarossa während des Dritten Kreuzzugs (1189–1192), der sich gegen eine Überzahl an Feinde durchsetzte.

Auch hier wird das Schwert zentral inszeniert und steht für die Unbeugsamkeit Württembergs: Wie der schwäbische Kreuzritter, würde auch der württembergische Soldat in den Schützengräben tapfer Widerstand leisten.

Diese Figur ist heute nicht mehr erhalten, doch werden im Münzkabinett des Landesmuseums eine große Plakette und ein kleiner Anhänger aufbewahrt, die als Andenken an Personen ausgegeben wurden, die sich an der patriotischen Spende beteiligt hatten.

Schwert statt Sense

Während die Medaillen aus der Anfangszeit des Kriegs noch Erfolge feiern, das eigene Land heldenhaft verklären und die Bevölkerung zum Durchhalten motivieren sollten, schufen Medailleure gegen Ende des Kriegs weitaus kritischere Werke, die auch das Leiden und den Tod thematisieren. Auch hier kommt häufig wieder das Schwert ins Spiel.

Medaille auf die Schrecken des Ersten Weltkriegs, 1917 (Rückseite) © Landesmuseum Württemberg, CC BY-SA

Medaille auf die Schrecken des Ersten Weltkriegs, 1917 (Rückseite) © Landesmuseum Württemberg, CC BY-SA

Eine anonyme Medaille aus dem Jahr 1917 zeigt auf ihrer Rückseite den Tod als Skelett mit Schwert und Fahne in den Händen, der über das Schlachtfeld schreitet. Das Schwert in der Hand steht hier für Gewalt und Krieg. Der am Boden liegende Soldat – auch hier wieder wie ein muskulöser, nackter Held der Antike dargestellt – hat ebenfalls ein Schwert in der Hand. Es ist nicht mehr im Einsatz, sondern ruht.

In ganz ähnlicher Weise wurde das Schwert später auf zahlreichen Kriegerdenkmälern der Nachkriegszeit abgebildet. Es wurde in Deutschland zum tragischen Symbol für den ehrenhaft geschlagenen aber verlorenen Krieg.

Die in diesem Blogbeitrag abgebildeten Medaillen könnt Ihr – zusammen mit acht weiteren aus der Zeit des Ersten Weltkriegs – in der Ausstellung „Faszination Schwert“ im Original anschauen. Und unser digitaler Katalog bietet noch über 100 weitere Medaillen aus den Jahren von 1914 bis 1918 – viele von ihnen zeigen ebenfalls ein Schwert.

Wer noch mehr wissen will,

kann außerdem

  • bis zum 28. April 2019 die Ausstellung „Faszination Schwert“ im Alten Schloss besuchen.
  • die Medaillen des Landesmuseums Württemberg im digitalen Katalog ansehen, die wir dank der Arbeit von Vivien Schiefer und Nicolas Schmitt vor Kurzem online gestellt haben.
  • unsere Aufsätze in den Novemberausgaben des Numismatischen Nachrichtenblatts (Waffe und Symbol. Das Schwert auf Propaganda-Medaillen des Ersten Weltkriegs (1914–1918)) und der MünzenRevue (Scharfes Eisen auf rundem Metall. Schwerter auf Propaganda-Medaillen des Ersten Weltkriegs) lesen.

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