Die rosa Kitteluhr steht Kopf!

Der Ausstellungsbereich „Mein Stück Alltag“ ist ein partizipatives Format des Museums der Alltagskultur im Schloss Waldenbuch. In 18 Vitrinen werden Gegenstände mit Begleittexten präsentiert, die Einblicke in einen unbekannten oder auch vertrauten Alltag geben. Die Ausstellung öffnet so schon im Eingangsbereich des Museums Dialogfelder zu gesellschaftlich relevanten Diskursen und ermöglicht Anknüpfungspunkte an die eigene Lebenswelt.

Auf zu mehr Partizipation!

Seit 2017 liegt der Fokus verstärkt auf der Frage „Wie sieht Alltag im 21. Jahrhundert aus?“. Schrittweise wurde hierfür die Ebene der Partizipation – die Teilhabe von Akteurinnen und Akteuren außerhalb des Museums – erweitert und mit Menschen zusammengearbeitet, die bestimmte Themen im Alltag verbinden. Das kann der Beruf, das Hobby oder die Lebenssituation sein, wie schon zuletzt beim Projekt mit Alleinerziehenden.

Mein Stück Alltag ©Landesmuseum Württemberg, Foto: Hendrik Zwietasch, CC BY-SA

Mein Stück Alltag mit Menschen aus Gesundheitsberufen
Vom 28. Oktober 2018 bis zum 28. April 2019 ist das Ergebnis einer Kooperation mit Auszubildenden und Lehrkräften der Schule für Gesundheitsberufe im Klinikverbund Südwest in Böblingen zu sehen. In der Ausstellung präsentieren und schreiben sie über Objekte, die in ihrem Pflegealltag eine besondere Rolle einnehmen.

Darunter ist eine rosa Kitteluhr zur Pulsfrequenz- und Zeitmessung, die kopfüber an der Jackentasche befestigt wird. Die Uhr sowie alle weiteren Objekte stehen nicht nur für ihre Funktion, sondern verweisen auch auf übergeordnete Themen wie Zeit oder Flexibilität, die den Arbeitsalltag im Krankenhaus kennzeichnen. Gerade die Kitteluhr „steht für die Zeit, die uns stets im Nacken sitzt“, beschreibt eine Auszubildende den Stellenwert dieses Objektes für sie.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des partizipativen Projektes © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des partizipativen Projektes © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

Auch dem medizinischen Klebeband kommt eine besondere Bedeutung zu: „Diese unscheinbare Kleberolle wird von uns Pflegekräften täglich bei der Arbeit verwendet, um die unterschiedlichsten Dinge zu bewerkstelligen. Sie repräsentiert die Spontanität und Kreativität, ohne die unsere tägliche Arbeit nicht möglich ist.“

Medizinisches Klebeband, © Dirk Kittelberger

Einblicke in einen komplexen Arbeitsalltag
Mit der Ausstellung geben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projektes aber nicht nur Einblicke in die Komplexität ihrer täglichen Routinen, sondern es geht dabei auch um die Interaktionen zwischen Dingen und Menschen in der Pflege, Pflegestandards oder Lieblingsdinge. Diese Aspekte waren entscheidend für die Auswahl der Objekte, die wir zusammen im Rahmen von drei Workshops bestimmt haben. Dabei setzten wir uns intensiv mit den Vorstellungen und Umgangsweisen mit Gesundheit und Krankheit auseinander und diskutierten etwa über den Stellenwert von Ritualen oder über die Bedeutung von Schmerzen im Krankenhaus.

Gruppenbild vor der Ausstellung mit Dr. Markus Speidel (Leiter des Museums der Alltagskultur), Marina Schnabel M.A. (Akademie- und Schulleitung im Klinikverbund Südwest), Stefanie Hildebrand M.A. (Wissenschaftliche Volontärin), Sonja Traxler (Referentin der Akademieleitung), Prof. Dr. Sabine Zinn-Thomas (Leiterin der Landesstelle für Volkskunde) © Ingo Thomas

Dieser Prozess des Austausches und Voneinander-Lernens war sehr intensiv und für beide Seiten bereichernd. Das Ergebnis unser gemeinsames Ausstellungsprojekt kann sich sehen lassen und macht einen Besuch im Museum der Alltagskultur empfehlenswert!

 

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