MK 15890 on Tour – Maximilian und Maria reisen ins Haus der Heimat

Bis ein Objekt in einer Museumssammlung landet, hat es oft eine lange Reise hinter sich. Provenienzforschung heißt das Fachgebiet, das sich mit der Geschichte der Herkunft von Kunstwerken und Kulturgütern beschäftigt. Bei vielen Objekten unserer Sammlung wissen wir über ihren Ursprung, diverse Vorbesitzer und Schicksalsschläge Bescheid. Das Museum selbst ist aber noch kein Abstellgleis, denn auf Reisen gehen unsere Objekte weiterhin!

Vom Schillerplatz in die Schlossstraße

Zuletzt machte sich unsere Inventarnummer MK 15890, eine sogenannte „Judenmedaille“ aus dem Münzkabinett des Landesmuseums Württemberg, auf den Weg ins Haus der Heimat Baden-Württemberg. Vom Schillerplatz 6 hinauf in die Schlossstraße 92 war das eine vergleichsweise kurze Tour, doch auf die zurückgelegte Wegstrecke kommt es gar nicht an.

Als Museum haben wir die Aufgabe, neben dem Sammeln, Bewahren und Erforschen, unsere Kulturgüter der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und Ausstellungen sind – neben der Präsentation in unserem Digitalen Katalog – dafür die beste Plattform.

Beim Einbringen der Medaille in ihre Vitrine war der Ausstellungsaufbau im Haus der Heimat Baden-Württemberg noch in vollem Gange © Landesmuseum Württemberg

Von Prag über Neuenstadt nach Stuttgart

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstand, vermutlich in Prag, eine Serie von gegossenen Medaillen, die Herrscher und Heilige zeigen. In einer 1729 erschienenen Schrift werden die Medaillen dieser Serie als „Judenmedaillen“ bezeichnet. Nach Ansicht des Autors hatte sie „ein Gewinnsüchtiger Goldschmid in Prag gemachet“, der den Medaillen durch die Inschriften in gotischen Majuskeln den Anschein geben wollte, als „wären sie von alter Zeit“.

Unsere goldene „Judenmedaille“ mit der Inventarnummer MK 15890 zeigt auf ihren beiden Seiten die Brautleute Maximilian I. und Maria von Burgund, die am 19. August 1477 vermählt wurden. Bis ins Jahr 1729 befand sie sich in der Kunstkammer der Fürsten von Württemberg-Neuenstadt, die ihren Stammsitz auf Schloss Neuenstadt am Kocher hatten. Als zu Beginn des 18. Jahrhunderts das Geld knapp wurde, verkauften sie ihre Kunstschätze an ihre reichen Vettern nach Stuttgart, die die Objekte in ihre eigene Kunstkammer integrierten.

Die goldene Medaille zeigt auf ihren beiden Seiten die Brautleute Maximilian I. und Maria von Burgund, die am 19. August 1477 vermählt wurden © Landesmuseum Württemberg

Verwaltungswege

Schon vor einigen Monaten erreichte mich aus der Schlossstraße die Leihanfrage für MK 15890. Die Kollegin dort war im Digitalen Katalog fündig geworden und konnte ihre Anfrage entsprechend präzise stellen.
Museumsintern treten solche Anfragen einen genau festgelegten Mechanismus los:

Zuerst wägt der Kurator, in diesem Falle der Herr des Münzkabinetts, Matthias Ohm, ab, ob er die Medaille auf Reisen gehen lassen will. Manchmal sind Objekte bereits verliehen, in der Schausammlung fest installiert, manchmal ist der Transport zu gewagt, oder aber es besteht ein striktes Verleih-Verbot. Aus Sicht des Kurators lagen hier jedoch keine Einwände vor.

In zweiter Instanz prüft nun der passende Restaurator, für Objekte aus Metall ist das bei uns Moritz Paysan, die Transportfähigkeit sowie die klimatischen und sicherheitstechnischen Voraussetzungen für eine Präsentation außer Haus. Auch hier nahm die „Judenmedaille“ aus Gold alle Hürden, sodass der Leihvertrag ausgestellt und zuletzt von der Direktorin Cornelia Ewigleben unterschrieben werden konnte.

Angemessen eskortiert hat die „Judenmedaille“ MK 15890 ihren neuen Platz im Haus der Heimat Baden-Württemberg eingenommen. Noch bis zum 22. November 2018 ist sie dort, zusammen mit einem „Paduaner“, in der Ausstellung „Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen. Lebenswege jüdischer Palästina-Auswanderer aus dem östlichen Europa“ in der Schlossstraße 92 im 4. OG zu sehen.

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