Zurück ins Kloster

Nach dem Besuch auf einem spätmittelalterlichen Markt und dem Blick in eine Malerwerkstatt, drehten wir die letzten Szenen unseres 360°-Abenteuers in einer Klosterkirche, wo unsere Äbtissin Margarete von Stein so echt aussah, als wäre sie aus der Zeit gefallen.

Überall Zisterzienserinnen!

Unermesslich wie die Sterne des Himmels, so vergleicht der aus Nordfrankreich stammende Geistliche und Chronist Jakob von Vitry (gest. 1240) die Zisterzienserinnenklöster mit den strahlenden Himmelsgestirnen und berichtet in seiner Historia Occidentalis weiter vom Phänomen der sich rasant in ganz Europa ausbreitenden zisterziensischen Nonnenklöster: […] und endlos nahmen sie zu, es wurden Kirchen gebaut, es füllten sich die Klöster.

Äbtissin Margarete von Stein (alias Claudia Gallatz) bei der Maske. © Landesmuseum Württemberg

Bereits 1270 existierten über 800 Frauenzisterzen in Europa, allein 300 im deutschsprachigen Raum! Das Kloster Lichtenstern bei Heilbronn war Teil dieses mächtigen Netzwerkes weiblicher Frömmigkeit und wurde 1242 gegründet.

Klosterkirche gesucht!

Ehemalige und noch aktive Zisterzienserinnenklöster sind in Süddeutschland also üppig gesät, doch haben nur wenige Kirchenräume ihr spätmittelalterliches Erscheinungsbild über die Jahrhunderte bewahrt. In der Klosterkirche von Lichtenstern „stören“ heute z. B. die Kanzel und fest ins Kirchenschiff montierte Sitzbänke die mittelalterliche Optik. Als Drehort kam sie für uns deshalb nicht in Frage.

Mit dieser Landkarte haben wir die Zisterzienserinnenklöster in Süddeutschland abgeklappert und wurden in Klosterzimmern fündig. © Landesmuseum Württemberg

Die Suche nach einem passenden Kirchenraum war langwierig. Fachliteratur und Fachleute zum Thema mittelalterliche Klosteranlagen der Zisterzienserinnen wurden zu Rate zogen und viele vermeintlich gutaussehende Objekte von der Rechercheliste gestrichen.

Um den richtigen Raumeindruck entstehen zu lassen, war bei der Suche auch die Größe der Kirche entscheidend. Die Klosterkirchen der Zisterzienserinnen waren erstens kleiner als die der Männer und unterlagen zweitens anderen architektonischen Anforderungen, denn in Frauenklöstern bedarf es immer einer Nonnenempore.

Nach vielen Recherchestunden wurden wir in Klosterzimmern (Franken) fündig.

Fast wie in Lichtenstern

Um dennoch ein bisschen Lichtenstern nach Klosterzimmern zu retten, haben wir den Altarstein aus der Klosterkirche in Lichtenstern fotografisch reproduzieren lassen und den Fotodruck vor den vorhandenen Altarstein montiert – sein Wiedererkennungswert unter Fachleuten ist nämlich groß!

Vom Kruzifix bis zur Bienenwachskerze war der Altartisch mit viel Liebe zum Detail ausgestattet. © Landesmuseum Württemberg

Für Authentizität sorgte weiterhin die textile Ausstattung von Altar und Kirchenschiff. Mittelalterliche Kirchenräume erleben wir heutzutage kahl, sie sind schlicht und auf ihre Architektur reduziert. Dass sie in ihrer Entstehungszeit farbenfrohe Gotteshäuser waren, bezeugen historische Bildquellen, die uns als Vorlage und Inspiration zur Ausstattung des Kirchenraumes dienten.

Ingrid-Sibylle Hoffmann (LMW) und Chris Wenzel (Living History) bereiten, in meterlange Stoffbahnen gehüllt, die farbige Ausstattung des Kirchenraumes vor. © Landesmuseum Württemberg

Auch die Gestaltung des Altartisches folgte historischen Vorlagen. Auf dem Altartuch, das an der Tischkante von einer ornamentalen Borte abgeschlossen wurde, schafften Lesepult, Andachtsbild und Bienenwachskerzen eine lebendige Kulisse.

Jetzt ist alles im Kasten und wir erwarten gespannt das Ergebnis. Herzlichen Dank an all die fleißigen Hände, die zum Gelingen beigetragen haben!

 

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