Wie bringt man Ordnung in 50.000 Plastiktüten?

Aus Umweltgründen steht sie momentan bei vielen in der Kritik: die Plastiktüte. Zu Beginn der 1960er Jahre kam sie in Deutschland auf, in den 70er und 80er Jahren erfreute sie sich hoher Beliebtheit. Seit 2016 ist die Plastiktüte an Supermarktkassen und im Einzelhandel kostenpflichtig. Der Verbrauch ist zurückgegangen, immer mehr Menschen verabschieden sich von der Tüte.

Kommt mir nicht in die Tüte?

Das Museum der Alltagskultur in Waldenbuch thematisiert die positiven und negativen Facetten ab 26. Oktober 2019 in einer Sonderausstellung mit dem Titel „Adieu Plastiktüte!“. Bei den Vorbereitungen zur Ausstellung durfte ich im Rahmen meines Praktikums helfen.

Sortieren, kategorisieren und umlagern

Zwei Sammlungen von Privatpersonen von ca. 50.000 Plastiktüten aus den 1960er Jahren bis heute wurden dem Museum für Alltagskultur vermacht. Die Tüten lagerten seitdem im Kunststoffdepot des Museums. Im Vorlauf der Ausstellung müssen sie nun sortiert, kategorisiert und umgelagert werden. Bei der Zuordnung zu bestimmten Kategorien spielen thematische Aspekte (Lebensmittel, Supermarktketten, Mode, Technik …) und visuelle Aspekte (viel Text, große Logo, Farbe, Illustration …) eine Rolle.

Im ‚Unboxing‘-Video mit Kurator Frank Lang gibt es einen kleinen Einblick in die Entstehung der Ausstellung:

Vielfältiges Alltagsding

Um auch den ästhetischen Aspekt der Plastiktüten ausreichend zu beachten, sortierten wir die Tüten unter anderem mit einer Professorin und zwei Design Studentinnen der Hochschule in Stuttgart. Dabei wurde schnell klar, wie vielfältig die Plastiktütensammlung ist. Dies ermöglicht dem Museum auch während der Ausstellung die Plastiktüten laufend auszutauschen. So können Besucher*innen im Verlauf der gut sieben Monate andauernden Ausstellung immer wieder neue Tüten entdecken.

Zahlen, die nachdenklich stimmen

Neben meiner Arbeit im Kunststoffdepot durfte ich auch Recherchearbeiten für die Ausstellung übernehmen und kurze Texte dafür schreiben. Dabei setzte ich mich intensiv mit dem Thema Plastik auseinander und stieß auf beeindruckende Fakten:

  • Seit 1950 wurde weltweit ca. 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff produziert
  • Ab 2050 könnte im Meer mehr Plastik als Fische schwimmen
  • Jährlich verbrauchen wir etwa 1 Billion Plastiktüten. Wenn man diese aneinanderreihen würde könnte man mit der Menge den Äquator 10.000 Mal umrunden

Vielleicht ist es vor dem Hintergrund dieser Zahlen doch besser, der Plastiktüte „Adieu“ zu sagen. Ein Trost für all diejenigen, denen das schwer fällt: In Waldenbuch werden die Plastiktüten in der Sammlung noch eine lange Zeit überdauern. Ab 26. Oktober können Liebhaber*innen sie in der Ausstellung besichtigen.

Mehr Plastik als Fische © Foto: Dietmar Beetz/stock.adobe.com

 

2 Kommentare zu “Wie bringt man Ordnung in 50.000 Plastiktüten?”

  1. Durch Zufall bin ich über Google auf euren Beitrag zu der in
    Kürze stattfinden Pastiktütenausstellung gelangt. TOLL, gerne würde ich nach Stuttgart kommen und mir -als Sammler von Plastiktüten- die Ausstellung ebenfalls ansehen. Und wie es der Zufall so will, gibt es ebenfalls eine erste Ausstellung mit einer kleinen Auswahl meiner Tüten -es werden Plastiktüten mit Gestaltungsmustern aus den 1960er bis 1980er Jahren gezeigt- ab März nächsten Jahres hier in Berlin. Und zwar innerhalb einer Ausstellung -in der Kunstbibliothek im Kulturforum der Staatlichen Museen- über den Designer Anton Stankowski, der ja auch in Stuttgart gearbeitet hat und unter anderem das Logo der Deutschen
    Bank entworfen hat. Einige der Tüten, die in eurem
    Ankündignungsbeitrag zur Ausstellung zu sehen sind, habe ich ebenfalls in der Sammlung, etwa die Tüte vom Musikhaus Barth in Stuttgart oder die Plastiktüte von Aiwa. Bei Facebook findet man mich unter Cool Collection > Amazing Bags und bei Instagram unter Cool_Collection_de Beste Grüße aus Berlin Tobias Sadecki

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