Schach dem Herzog!

Seit Januar können die Besucher des Landesmuseums in der Ausstellung LegendäreMeisterWerke Schach mit Herzog Carl Eugen spielen. Na ja – nicht ganz, denn die Figuren aus dem persönlichen Besitz des Herzogs befinden sich bald geschützt in einer Vitrine in unserer Schausammlung LegendäreMeisterWerke im zweiten Obergeschoss des Alten Schlosses.

Was Prinzen lernen

Innenansicht des an die Figuren angepassten Futterals

Innenansicht des an die Figuren angepassten Futterals

Schachspiele gehörten seit dem Mittelalter zur fürstlichen Ausstattung. Sie demonstrierten die Fähigkeit des Herrschers zum strategischen Denken und seine Eignung als guter Landesvater. Schach war ein wichtiger Bestandteil der fürstlichen Ausbildung, und so reiste der württembergische Prinz Carl Eugen wohl mit diesen Figuren zu seiner Erziehung an den Hof des preußischen Königs nach Berlin. Das fehlende Schachbrett war dabei kein Problem, denn an den Höfen gab es Salons, in denen Tische für die unterschiedlichsten Spiele bereit standen. Ihre Tischplatten trugen die Felder oder Linien für Schach, Mühle oder Backgammon.

Häufig benutzt

Die Schachfiguren zeigen eine über einen längeren Zeitraum reichende Geschichte des Gebrauchs: Sie weisen Reparaturen, Ausbesserungen und Restaurierungen auf. An vielen Stellen überlagern sich die Restaurierungsmaterialien, die bei unterschiedlichen Eingriffen über einen längeren Zeitraum hinweg verwendet wurden.

Chinesische „Herrscher“

Die Figuren der Könige und Damen bestehen aus so genannten Pagoden, frühen Chinesendarstellungen aus Böttcherporzellan mit Email- und Lackfarben. Die Könige, Läufer und Springer sind mit silbernen, teilweise vergoldeten Buchstaben (K, L, S) bekrönt.

Ein neues Wappen

Das Futteral ist wesentlich später als die Figuren entstanden, was sich anhand des eingeprägten Wappens ablesen lässt.Das Wappen ist auf dem Futteral eingeprägt und mit Gold gehöht.

Vorderseite des Futterals mit dem goldgeprägten württembergischen Wappen

Vorderseite des Futterals mit dem goldgeprägten württembergischen Wappen

Durch mehrere Gebietsveränderungen wurde das württembergische Wappen unter Herzog Carl Eugen 1789 von vier Feldern auf sechs erweitert, zusätzlich findet sich das Stammwappen, die Hirschstangen, in der Mitte. In den weiteren Feldern finden sich 1. Teck, 2. Reichssturmfahne, 3. Mömpelgard; 4.Limpurg; 5. Heidenheim; 6. Justingen.

Listen, Listen, Listen…

Aber woher wissen wir, wer mit den Figuren eine Partie gespielt hat?
Ging ein Herzog oder ein kleiner Prinz auf Reisen, so wurde akribisch aufgeschrieben, was er so dabei hatte. 1741 reiste Prinz Carl Eugen mit seinen jüngeren Brüdern zur weiteren Erziehung an den Berliner Hof. In der „Prinzen Garderobe“ wurden die „Pretiosa“ aufgelistet: Neben einer „SchreibTafel“ und einem „Degen mit Brillianten“ findet man dort ein „Schachspiel von allerhand Steinen“, es könnte sich also schon um dieses Schachspiel gehandelt haben.

In weiteren Akten des Hauptstaatsarchivs Stuttgart wird in den „Tod und Verlassenschaftsakten“ Herzog Carl Eugens aus den Jahren 1793/94 „Ein Schachspiel in rothem Futteral von allerhand gefärbten Steinen, nicht complet, mit etwas Silber“ aufgelistet und taucht später unter den Einnahmen noch einmal auf. Es wurde also nach seinem Tod verkauft. Seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts befand es sich im Besitz der belgischen Adelsfamilie Goethals de Mude de Nieuwland in Gent und kam von dort 2015 in den französischen Kunsthandel.

Grenzkontrolle

Punze mit Delphin: (R 4, Nr. 7553) Niederlande, Anfang 19. Jh.

Punze mit Delphin: (R 4, Nr. 7553) Niederlande, Anfang 19. Jh.

Winzige Punzen, die an den schmalen silbernen Fassungen unter dem Mikroskop vom Restaurator des Landesmuseums, Moritz Paysan, entdeckt wurden, konnten als niederländische Gebühren-Quittungsstempel aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts identifiziert werden, was zu den Angaben der Vorbesitzer passt.

Bisher konnten die Rechnungen und der direkte Käufer noch nicht recherchiert werden, aber eventuell finden sich in den Akten des Hauptstaatsarchivs noch weiter Spuren, es bleibt also spannend.

Italienisch oder Preußisch?

Wir wissen, wo wir das Schachspiel präsentieren werden, wie die Vitrine aussehen wird, was wir in der Objektbeschriftung schreiben – aber eine Frage ist noch offen:

Welche Stellung zeigen wir auf dem Schachbrett?

Soll die Position an die vier Italienreisen von Carl Eugen erinnern und deshalb die Ausgangsstellung der Italienischen Partie (die auch Schachweltmeister Magnus Carlsen gerne spielt) zu sehen sein?

Carl Eugen wurde in Berlin, am Hof Friedrichs II. von Preußen, erzogen. Deshalb könnten wir auch die Preußische Partie aufbauen.

Oder habt Ihr noch weitere Vorschläge, welche Stellung auf dem Brett stehen soll? Schreibt uns eure Vorschläge und Begründungen gerne in die Kommentare!

Schachfiguren in einem roten Lederfutteral mit dem Wappen des Herzogs Carl Eugen von Württemberg (1728–1793); Futteral: Süddeutsch, um 1790, Figuren: Süddeutsch und Sachsen 1. Hälfte 18. Jh.

Schachfiguren in einem roten Lederfutteral mit dem Wappen des Herzogs Carl Eugen von Württemberg (1728–1793); Futteral: Süddeutsch, um 1790, Figuren: Süddeutsch und Sachsen 1. Hälfte 18. Jh.

Außerdem noch einen herzlichen Dank an alle, die Lotto in Baden-Württemberg spielen:

Erworben wurde das Schachspiel mit Lotto-Mitteln der Museumsstiftung Baden-Württemberg, die solch wunderbare Ankäufe ermöglicht, da das Museum nur über geringe Erwerbsmittel verfügt.

64 schwarz-weiße Grüße aus dem Landesmuseum

10 Kommentare zu “Schach dem Herzog!”

  1. Danke für diese spannende Schach-Geschichte! Ich bin verführt, mich mit Schachspiel zu beschäftigen und mir diese beiden Eröffnungsstellungen anzuschauen. Ich bin gespannt, für welche Partie Sie sich entscheiden werden. Ob ich das dann erkennen werde? Herzliche Grüsse, Andrea Welz

  2. Also Preußisch gibt sowohl schachlich als auch historisch deutlich mehr her.
    Schachlich, weil es gegen die Goldene Eröffnungsregeln verstößt, historisch, weil Preußen deutlich mehr mit Württemberg zu tun hat als Italien.

  3. Ich persönlich finde die Preußische Partie deutlich spannender. Und auch aus Sicht eines schachlich nicht so vertrauten Museumsbesuchers sieht die Stellung nach 5. e4×d5 deutlich interessanter aus als nach 3. Lc4 Lc5.

  4. Also nichts gegen Carl Eugen, aber zu seiner Zeit gab es noch kein Italien und vermutlich auch keine Preußische Partie. So würde ich salomonisch die Sizilianische Verteidigung wählen in Gedenken an den Sizilianer Friedrich II. und seinen Kameraden Anselm von Justingen, auf dessen Herkunft im Wappen des Schachspiels ja hingewiesen wird. Die Sippe der Staufer sind doch unsere eigentlichen Vorfahren und die hohe Staatskunst von Friedrich II. mit Anselm von Justingen ruft doch immer noch unsere Bewunderung hervor. Deshalb: Sizilianische Verteidigung aufstellen.
    Auch Bobby Fischer würde sich freuen, das zu sehen.

  5. Es muss ja nicht die Stellung eines Eröffnungssystems sein. Auch eine Stellung (Schlußstellung) aus einer berühmten Partie wäre vielleicht denkbar. Als ein Beispiel mit adeligem Bezug fällt mir die berühmte Partie ein, die Paul Morphy gegen den Herzog Karl von Braunschweig und Graf Isouard de Vauvenargue im Jahre 1858 während einer Opernaufführung in Paris spielte…und natürlich locker gewann…

    Herzliche Grüße, Christof Hogrebe

    1. Liebe Schachfans,
      ganz herzlichen Dank für die vielen Kommentare und Vorschläge, wir sammeln alles und lassen Euch dann wissen wer gewonnen hat. Viele Grüße vom LMW-Team

  6. Ich bin für das sogenannte seekadetenmatt, weil es dem besucher die Schönheit des Schachspiels (mögliches damen Opfer) aufzeigen kann.

  7. SIZILIANISCHE VERTEIDIGUNG – das is es!
    Dieser Thomas Künzer ist sichtlich ein kluger Kopfund excellenter Kenner der Staufer. Der große Landeshistoriker Gerhard Raff (Herr, schmeiß Hirn ra!) hätte sicher seine helle Freude an der SIZILIANISCHE VERTEIDIGUNG.
    .

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.