Guck mal! Depotlieblinge – Teil 1: Blicke in die Depots des LMW

Das Landesmuseum Württemberg ist mehr als nur eine Ausstellungsfläche für Objekte – es ist Geschichtsspeicher und Objekt mit eigener Geschichte zugleich, eine wissenschaftliche Institution, eine kulturelle Plattform, vor allem aber auch ein Arbeitgeber, auch für Volontär*innen.

Zu den Kernaufgaben eines Museums zählen nicht nur das Sammeln, Forschen, Ausstellen und Vermitteln, sondern auch und vor allem das Bewahren von Objekten in eigens dafür errichteten Museumsdepots. Die Ausstellung „Depotlieblinge“ bildet den Auftakt des von Volontär*innen konzipierten Ausstellungsformats „Guck mal!“, das von wechselnden Volontariats-Generationen im Haus immer wieder neu bespielt werden soll.

 

Was ist überhaupt ein Depot?

Depots sind große Lagerstätten, in denen die verschiedenen Objekte unter konservatorischen, aber auch sicherheitstechnischen Aspekten „deponiert“, also eingelagert sind. Je nachdem, ob es sich dabei um Gemälde, Kunsthandwerk, Textilien, archäologische Funde oder Alltagsgegenstände handelt, stellen die Objekte unterschiedliche Anforderungen an ihre Umgebung. Temperatur und Luftfeuchtigkeit müssen angepasst und die Objekte vor Licht, Schädlingen, Staub, Erschütterungen und anderen Einflüssen geschützt werden. Dabei ist auch die jeweilige Verpackung und Lagerung entscheidend.

Ein Gang mit zwei grauen Metallregalen an den Seiten, in denen viele kleine graue und weiße Kartons stehen.

Abb. 1: Blick in einen Regalgang in einem der Depots des Landesmuseums Württemberg. In den zahlreichen Aufbewahrungskartons befinden sich Sammlungsobjekte.

Ein Depot ist jedoch keine bloße „Abstellkammer“, in die unliebsame Stücke abgeschoben werden, sondern vielmehr eine strukturierte, wenn auch nicht öffentlich zugängliche Erweiterung des Museums. Um der anspruchsvollen Aufgabe des Bewahrens gerecht zu werden, braucht es spezielles Personal. Neben den zuständigen Kurator*innen, die die Sammlungen wissenschaftlich betreuen, kümmert sich ein*e Registrar*in um Dokumentation und Katalogisierung von Objekten sowie um die Überwachung von Leihgaben und den Transport von Exponaten. Restaurator*innen stellen sicher, dass die Lagerbedingungen den konservatorischen Standards entsprechen. Die lokale Verwaltung und Betreuung der Depotstandorte übernimmt die Depotverwaltung.

Doch nicht nur die Objekte, manchmal müssen auch die Mitarbeiter*innen in Museumsdepots geschützt werden. Das gilt vor allem für den Umgang mit organischen Materialien wie Holz, Leder und Textilien, die früher zum Schutz vor Schädlings-, Schimmel- und Bakterienbefall mit heute als gesundheitsschädlich geltenden Chemikalien (sog. Biozide) behandelt wurden. Diese Biozide können mit der Zeit in aufliegendem Staub vorkommen. Bevor Objekte also in die Schausammlung kommen, werden sie daher gründlich von diesen Stäuben gereinigt. Um die Stäube dabei nicht einzuatmen, tragen die Mitarbeiter*innen in Depots dafür spezielle Schutzanzüge und -masken.

Eine Frau in einem weißen Schutzanzug steht an einem Tisch und reinigt ein Objekt mit Pinsel und Staubsauger. Im Hintergrund stehen graue Schränke.

Abb. 2: Volontärin Jasmine Brenner reinigt ein Depotobjekt mit Pinsel und Staubsauger. Sie trägt dabei spezielle Schutzkleidung.

Diese Arbeit hinter den Kulissen bleibt für Besucher*innen unsichtbar. Dabei bildet sie eine wesentliche Grundlage für alles, was im Museum zu sehen ist. Zum Kuratieren von Ausstellungen gehört es, aus den umfangreichen Sammlungen eine repräsentative Auswahl unter didaktischen Aspekten zu treffen. Das können Objekte sein, die etwa besonders charakteristische Beispiele einer bestimmten Objektgruppe darstellen oder stark von der Norm abweichen, also außergewöhnliche Stücke sind.

Tatsächlich sind nur durchschnittlich 10 bis 40 % aller Objekte eines Museums – im Fall des Landesmuseum Württemberg sogar nur etwa 5 % der gesamten Sammlung – in den Ausstellungsräumen zu sehen. Der große Rest lagert in zahlreichen Depots, im Fall des LMW verteilt über Stuttgart und an weiteren Standorten.

 

Auf der Suche nach „Depotlieblingen“

Genau diesen oft unsichtbaren Bereich haben die LMW-Volontär*innen für „Guck mal!“ sichtbar gemacht. Mit drei ausgewählten Objekten aus den Abteilungen Archäologie, Kunst- und Kulturgeschichte und Populär- und Alltagskultur zeigen sie den Besucher*innen, welche Geschichten hinter den Objekten stecken und welche Stücke den Menschen, die täglich mit den Sammlungen arbeiten, besonders am Herzen liegen. Außerdem geht es darum, die Vielfalt der Sammlungen des Landesmuseums zu zeigen und Besuchenden einen persönlicheren Einblick in die spannende Arbeit hinter den Kulissen des Museums zu geben.

Im Rahmen des Projekts wurden Kolleg*innen aus dem Museum nach ihren persönlichen „Depotlieblingen“ gefragt: Gibt es ein Objekt im Depot, das besonders fasziniert? Und warum gerade dieses? Aus den vorgeschlagenen Objekten wurde schließlich für jede der drei Abteilungen ein besonders interessanter und aussagekräftiger Vertreter ausgewählt.

Eine Frau vor einem grauen Metallregal, in dem mehrere graue Kartons stehen. Sie trägt schwarze Handschuhe und nimmt einen Karton aus dem Regal.

Abb. 3: Volontärin Lucie Böttger holt einen Objektkarton aus einem Depotregal.

Die drei ausgewählten Stücke stehen im Mittelpunkt der ersten Präsentation von „Guck mal!“. Die in Zusammenarbeit mit Studierenden der ABK entworfenen „Gucklochvitrinen“ machen durch kreisrunde Öffnungen gezielte Blicke auf die Exponate möglich. Vier Fragen begleiten die Betrachtung: Was ist es? Was ist der historische Hintergrund? Warum ist es ein Depotliebling? Und was ist noch spannend daran? Blick für Blick erschließt sich den Betrachter*innen das Objekt – seine Funktion, seine Geschichte und seine Besonderheiten.

Eine wichtige und ergänzende Perspektive auf die Objekte ist der persönliche Bezug der Museumsmitarbeitenden zu den Exponaten. Sie lädt die Besuchenden dazu ein, dem subjektiven Blick der Kurator*innen zu folgen, darüber zu reflektieren und so selbst eine neue Perspektive auf die Objekte zu erhalten.

Welche drei Depotlieblinge sich hinter den Gucklöchern verbergen, ist ab dem 15. September 2026 im Foyer des zweiten Obergeschosses des Alten Schlosses zu entdecken.

 

Literatur- und Quellenverzeichnis

 

Abbildungsnachweise und Nutzungsbedingungen

Beitragsbild: Landesmuseum Württemberg, Carolin Kunzi (CC BY 4.0).
Abb. 1–3: Landesmuseum Württemberg, Carolin Kunzi (CC BY 4.0).

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