#femaleheritage: Anna Dorothea Therbusch – eine Künstlerin, die ihren Weg geht

Die Monacensia der Stadtbibliothek München ruft zur Blogparade! Eine Blogparade zu Frauen und Erinnerungskultur, zu weiblichen Persönlichkeiten in der Geschichte… tja, da gibt es viele. Sehr viele.
Doch welche stellen wir vor?

Diese Qual der Wahl haben nicht nur die Verfasser*innen der bisherigen Blogartikel sondern auch wir im Landesmuseum Württemberg in der Vorbereitung unserer für 2022/23 geplanten Großen Landesausstellung mit dem Arbeitstitel „Starke Frauen im Südwesten. Dynastien und Netzwerke vom 16. Jh. bis heute“.

Wo fangen wir an, wo hören wir auf?

Selbstbildnis, 1761 © Staatsgalerie Stuttgart, CC-BY-SA 4.0

Welche weiblichen Biographien stellen wir vor? Welche sind die herausragenden Frauen dieser Epoche? Welche Geschichte(n) möchten wir erzählen? Eine Frau, die wir auf jeden Fall vorstellen möchten, ist Anna Dorothea Therbusch.

Sie gilt heute als eine der erfolgreichsten deutschen Künstlerinnen des 18. Jahrhundert und ist den meisten doch unbekannt. Ihre Karriere basierte auf der Ausbildung im väterlichen Atelier der Berliner Malerfamilie Lisiewski. Neben dem Vater Georg gab es mehrere Töchter, einen Sohn, Schwiegersöhne und Enkel*innen, die Maler*innen wurden. Dies war die häufigste Ausbildungsmöglichkeit, denn der Zugang zu Kunstakademien als Schülerin war Frauen nicht möglich. Erst wenn sie ihre Leistungen bereits unter Beweis gestellt hatten, konnten sie die Aufnahme in die europäischen Akademien erreichen.

Ehrenmitglied der Académie des Arts und Hofmalerin

Anna Dorothea Therbusch wurde bereits 1761 als erstes weibliches Ehrenmitglied in die neugegründete Académie des Arts in Stuttgart aufgenommen. Das Aufnahmestück, das oben zu sehende Selbstbildnis, befindet sich noch heute in der Staatsgalerie Stuttgart. Am Mannheimer Hof erhielt sie dann das Patent zur Hofmalerin. Diese Erfolge beflügelten Therbusch und sie reiste mit Arbeiten nach Paris in der Hoffnung, dort ebenso Anerkennung zu bekommen.

Zu selbstbewusst?

Hofmaler Friedrich Adolf Harper, entstanden 1761/63

Die Mitglieder der Aufnahmekommission sind von ihrer kühnen und männlichen Technik überrascht und zweifeln sofort die Eigenhändigkeit an. Außerdem sei sie zu selbstbewusst, nach den Pariser Vorstellungen fehlten Jugend, Schönheit, Bescheidenheit, Koketterie.

„Sie hätte vom Verdienst unserer großen Künstler schwärmen, bei ihnen Unterricht nehmen, mehr Busen und eine ansehnliche Hinterpartie haben und beides den Künstlern darbieten müssen“ schreibt der Kunstkritiker und Enzyklopädist Denis Diderot in seinen zeitgenössischen Ausstellungskritiken zu diesem demütigenden ersten Anlauf.

Heute wäre dies ein Fall für die Gleichstellungsbeauftragten.

„peintre du Roi“

Therbusch lässt das nicht kalt, wütend malt sie ein weiteres Genrebild bei Kerzenschein – eine schwierige Aufgabenstellung. Nun kann ihre Eigenhändigkeit nicht mehr geleugnet werden und unter dem Vorsitz des damaligen Direktors François Boucher, wird Anna Dorothea Therbusch in die königliche Akademie aufgenommen und signiert ab jetzt häufig mit dem ihr zustehenden Titel „peintre du Roi“.

Die erhofften ganz großen Aufträge in Paris stellen sich nicht ein. Allerdings reist sie mit einem großen Auftrag zurück nach Berlin: Für Katharina die Große malt sie in einer selbstgegründeten Ateliergemeinschaft mit ihrem Bruder Standesporträts der preußischen Königsfamilie.

Später Ruhm

Niccolo Jommelli, Hofkapellmeister, gemalt um 1762

Heute zählt sie zu den erfolgreichsten Künstlerinnen des 18. Jahrhunderts und ihre Werke dürften in keiner Ausstellung zu Künstlerinnen in Deutschland fehlen. So wird sie auch eine wichtige Rolle in unserer Großen Landesausstellung spielen und dient immer wieder als Vorbild für junge Künstlerinnen, die ihren Weg gehen möchten.

Im Oktober 2022 wird die Ausstellung eröffnet. Bis dahin gibt es noch viel zu tun. Nehmen wir uns ein Beispiel an den tatkräftigen Frauen, deren Geschichten innerhalb der Blogparade #femaleheritage erzählt werden, und legen wir los!

 

 

 

 

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