Meine „Visitor Experience“ als Meerkatze

Habt ihr schonmal darüber nachgedacht, wie Museen Besucher*innenerlebnisse gestalten? Wieviel Konzeption und sorgfältige Planung dahintersteckt, einen Besuch einzigartig und einprägsam zu gestalten? Vor meinem Praktikum im LMW hatte mich diese Frage zugegebenermaßen nicht sonderlich beschäftigt. Seit ich jedoch meinen Fuß aus dem Paternoster im zweiten Obergeschoss der Markthalle hob und denselben in den Flur der Kunst- und Kulturgeschichte setzte, hörte ich einen Namen immer wieder, ob leise getuschelt oder laut verkündend: Lisa Baxter. Für eine Praktikantin am ersten Tag baute sich dieser Name und die Person dahinter schnell zu einem mythisch anmutenden Wesen auf, bevor ich in den Kreis der Eingeweihten eingeladen wurde: Lisa Baxter ist die Leiterin eines Workshops zur „Visitor Experience“ und Gründerin/CEO von „The Experience Business“. Sie stammt aus und lebt in England und hat immer ein Lächeln auf den Lippen und eine Frage auf der Zunge.

Das Team des Landesmuseums im Workshop „The Visitor Experience“ mit Lisa Baxter.

Zoom-Meetings für die Visitor-Experience

In ihrem Workshop planen die Projektteams die „Visitor Experience“ oder, zu Deutsch, das „Besucher*innenerlebnis“ der Sonderausstellungen. Aufgeteilt auf zehn Wochen und Corona-bedingt über Zoom abgehalten, entwickelt das Team des Landesmuseums verschiedene Personas, die potentielle Besucher*innen darstellen sollen. Dabei werden genaue Profile mit Namen erstellt, die beispielsweise den sozio-kulturellen Hintergrund, Alter, den Bildungsweg und persönliche oder politische Einstellungen beinhalten. So entstehen Nils und Nina, ein junges Paar immer auf der Suche nach einem „Instagrammable Moment“. Oder Waltraud und Wolfgang, langjährige Besucher*innen des Landesmuseums, die sich bereitwillig tief auf Themen einlassen. Aufgrund dieser Profile wird dann das erarbeitete Ausstellungskonzept befragt und weiterentwickelt.

Ein webbasiertes Mural-Board zum Gedankenordnen.

Teamwork makes the (visitor-)dream work

Ob es darum geht, besondere Exponate mit „WOW-Effekt“ in den Mittelpunkt zu rücken, Mitmach-Stationen für die Besucher*innen zu entwickeln oder einfach sichergestellt wird, genügend Sitzmöglichkeiten anzubieten – der Workshop ist vielseitig aufgestellt und bringt so manchen neuen Denkanstoß mit sich.
Momentan finden sich also jeden Montagmorgen Vertreter*innen der verschiedenen Abteilungen des Museums zusammen und denken, diskutieren und dolmetschen bis es Montagmittag ist und alle bereit sind für einen oder mehrere Kaffees. Vertreten sind die Kurator*innen, das Marketing, die Projektsteuerung, die Kulturvermittlung, die Digitale Museumspraxis, die Restaurierung, der Vorstand und die Praktikantinnen. Da die meiste Arbeit online auf so genannten „Mural-Boards“ stattfindet, bei denen den Teilnehmer*innen anonym ein bestimmtes Tier zugeteilt wird, kann jede*r die eigenen Gedanken gleichwertig einbringen – ob Kurator*in, Vorstandsmitglied oder Praktikantin.

Im Büro in der Markthalle.

Die Freiheit der anonymen Tiere

So habe ich die Freiheit, mich als Meerkatze selbst zu verwirklichen (einen Satz, von dem ich nie geglaubt hätte, ihn einmal zu verfassen), ohne zu wissen, ob sich hinter der Schildkröte die Kulturvermittlung oder die Restaurierung verbirgt. Die entstandenen Mind-Maps und Tabellen werden anschließend im Team besprochen. Bei gewissen Dingen wird demokratisch abgestimmt – wieder haben alle die gleiche Stimmenanzahl, egal wie weit oben in der Hierarchie die Person verortet sein mag.

Mit Post-Its lassen sich Ideen auf dem Mural-Board festhalten. Unten sind die verschiedenen Teilnehmer anonym als Tiere zu sehen.

Am Ende des Workshops wird das Team soweit sein, die Ausstellung zu visualisieren. Dann werde ich den Workshop leider nicht mehr mit meinen eloquenten Beiträgen beglücken können, da mein Praktikum nur sechs Wochen andauert. Ich freue mich jedoch schon darauf, das Ergebnis 2022 in der Großen Landesausstellung bewundern zu können – und dabei auch die in passender Anzahl bereitgestellten Sitzgelegenheiten zu nutzen.

 

Headerfoto: Lauren PengUnsplash

5 Kommentare zu “Meine „Visitor Experience“ als Meerkatze”

  1. Ein sehr interessanter und amüsanter Blick hinter die Kulissen! Ich bin gespannt, was 2022 dann zu besuchen ist. Weil jetzt das Rätsel um die Meerkatze gelöst ist schlage ich vor, beim nächsten Termin Gemüsesorten zu verwenden wie z.B. Zucchini für das Team.

    1. Das wäre mal eine gelungene Abwechslung 😉 Über die Pläne für 2022 werden wir natürlich auch hier im Blog weiter informieren!

  2. Das klingt äußerst spannend, bei dieser kreativen und spannenden Vorbereitung wird die Ausstellung bestimmt ein tolles kultureller Event. Ich freue mich darauf!

  3. Wirklich interessant und informativ! Ich freue mich auf weitere Blicke hinter die Kulissen, gerne auch aus der Sicht anderer Tierarten 🙂

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