Ein dreimonatiges Praktikum: Zwischen Archiv, Medaillen und dem Zoll

Das Museum ist durch diverse Lehrveranstaltungen der Universität und Recherche zu Hausarbeitsthemen oder Referaten für mich, als Studentin der Kunstgeschichte, schon lange ein vertrauter Ort. Wie viel sich hinter den Kulissen versteckt, durfte ich während meines Praktikums in der Kunst- und Kulturgeschichte herausfinden.

Drei Monate habe ich am Landesmuseum Württemberg verbracht und in dieser Zeit sehr viel Wertvolles gelernt. Wie funktioniert die Arbeit von den Kurator*innen, wie sieht der Alltag in der Museumsarbeit aus und wie wird eine Ausstellung konzipiert? Ich habe viele Einblicke in verschiedene Datenbanken bekommen, durfte Archive und Depots besuchen und bei diversen Führungen dabei sein. Kurz gesagt: ein dreimonatiger Rundumblick in alles, was das Landesmuseum zu bieten hat!

Das mysteriöse Zoll-Paket

Eine für mich besonders spannende Aufgabe war die begleitende Recherche zu dem mysteriösen Zoll-Paket, zu welchem vor ein paar Wochen bereits ein Blogbeitrag erschien. Ich wurde an einem Vormittag gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit meinem Kollegen Chris Gebel zum Zoll zu fahren und dort ein Päckchen aus Amerika abzuholen. Natürlich hatte ich Lust! Auf der Fahrt zum Zoll informierte mich Chris darüber, dass es sich um Kriegsbeute aus dem zweiten Weltkrieg handelt. Leider kam beim Zoll dann die kleine Enttäuschung: Wir durften die Objekte erst mitnehmen, wenn wir ihren Wert bestimmt hatten. Dennoch konnten wir einen kleinen Blick auf den Inhalt des Pakets werfen und dabei kamen diverse Medaillen, Orden und Miniaturporträts (Abb. 1) zum Vorschein!

Kleines Gemälde eines uniformierten Mannes mit goldenem Bilderrahmen.

Abb. 1: Miniaturporträt eines bayerischen Oberleutnants

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiter ging es dann im Museum. Anhand der Fotos, die wir beim Zollamt schnell geschossen hatten, versuchten wir den Wert der Objekte ausfindig zu machen. Ich übernahm die Miniaturporträts, die allesamt uniformierte Männer zeigten. Ich begann bei der Recherche mit den dargestellten Uniformen und hatte auch bald ein paar Treffer zu verzeichnen, mit denen ich die Miniaturporträts auf das erste Viertel des 19. Jahrhunderts datieren konnte. Zudem gaben die Uniformen auch Aufschluss auf ihre geografische Einordnung: das Königreich Bayern. Eine Wertschätzung ließ sich mit dieser zeitlichen Einordnung dann mithilfe von diversen Vergleichsbeispielen auf Auktionsseiten herausfinden. Nachdem diese Ergebnisse an den Zoll übermittelt worden waren, durften die Objekte dann endlich in das Landesmuseum, wenn doch nur übergangsweise. Denn jetzt bleibt noch die Frage offen, wo sie ursprünglich herkamen und wann sie wieder zurück in ihre ursprüngliche Heimat können, eine Aufgabe der Provenienzforschung. Ich bleibe gespannt!

Detektivarbeit im Archiv

In die Provenienzforschung durfte ich während meines Praktikums auch einsteigen. Von der hausinternen Provenienzforscherin Malena Alderete bekam ich einen Rechercheauftrag zu dem Präsidenten der Zentralstelle für Gewerbe und Handel, Ferdinand von Steinbeis. Die Sammlung der Zentralstelle für Gewerbe und Handel aus dem 19. Jahrhundert ist mittlerweile Teil der Sammlung des Landesmuseums und dementsprechend werden auch zu diesen Objekten Recherchen angestellt. Meine Aufgabe war es, Belege für von Steinbeis‘ Besuch der Weltausstellung in Philadelphia 1876 zu finden. Also ging es für mich in das Staatsarchiv Ludwigsburg. Hier wühlte ich mich durch diverse Akten gefüllt mit Briefen, Zeitungsausschnitten und Kalendern. Ich war fasziniert von der schönen Kurrentschrift des 19. Jahrhunderts, auch wenn ich leider sehr schnell feststellen musste, dass ich nur sehr wenig entziffern konnte. Dennoch wurde ich nach einiger Zeit fündig. Ich fand eine personalisierte Eintrittskarte zu der Weltausstellung in Philadelphia (Abb. 2) sowie ein Programm der Abschlussfeier. Damit hatte ich den Beweis: Ferdinand von Steinbeis war 1876 auf der Weltausstellung in Philadelphia!

Ein leicht vergilbtes Dokument zur United States International Exhibition Philadelphia 1876, handschriftlich unterschrieben.

Abb. 2: Eintrittskarte für Ferdinand von Steinbeis für die Weltausstellung in Philadelphia, 1876

 

Das reichte mir aber nicht, also suchte ich weiter. Ich fand einen Brief, in dem seine Abreise verhandelt wurde und einen Brief, in dem ihm zur Rückkehr aus Amerika gratuliert wurde. So konnte ich den Zeitrahmen seines USA-Besuches eingrenzen. Zudem fand ich diverse Empfehlungsschreiben an verschiedene hochrangige Männer, wie beispielsweise den damaligen Präsidenten des Smithsonian Institute in Washington D.C. in denen von Steinbeis höflich vorgestellt und um ein Treffen gebeten wurde. Eine personalisierte Audienzkarte belegte dann den Termin von Steinbeis beim Smithsonian Institute am 23. November 1876 (Abb. 3)!

Handschriftlich ausgefülltes und unterschriebenes, leicht gelbliches Schriftstück mit einer kleinen Abbildung einer Büste.

Abb. 3: Audienzkarte für Ferdinand von Steinbeis für das Smithsonian Institute, 23. November 1876

Wundersame Medaillen im Münzkabinett

Natürlich durfte ein Aufenthalt im Münzkabinett des Landesmuseums während meines Praktikums nicht fehlen. Ich durfte mir mehrere Medaillen aussuchen, zu denen ich anschließend recherchierte. Ich entschied mich für diverse Medaillen, die sich allesamt mit dem Thema Vergänglichkeit auseinandersetzten.

Verschiedene, einzeln verpackte Münzen und Medaillen und eine Lupe liegen auf einem Tisch.

Abb. 4: Auswahl der Medaillen im Münzkabinett

Zwei der Medaillen zeigten ein Skelett und eine junge Frau (MK 17893 & MK 19243) und auf drei weiteren war Chronos der Hauptakteur (MK 19247, MK 19272 & MK 19273). Eine dieser Medaillen entpuppte sich als ein ganz wundersames Exemplar. Es handelte sich um eine Schraubmedaille aus dem 18. Jahrhundert. Diese Medaillen kann man aufschrauben und kommen besonders im 18. Jahrhundert häufiger vor. Oft beinhalten sie kleine gemalte Darstellungen auf Papier oder Pergament. Auch in diesem Exemplar befanden sich verschiedene kleine runde Papiereinlagen. Insgesamt waren 19 Stück enthalten, die vorne und hinten bemalt waren, wobei die Vorderseiten Ereignisse des Jahres 1740 zeigten. Ein wahrer Schatz!

Nachdem ich mir diese Medaillen ausgesucht und angeschaut hatte, ging es ans Fotografieren der Objekte. Dafür nutzte ich die spezielle Vorrichtung im Münzkabinett, mit der es ohne Probleme funktionierte, die Münzen und Medaillen abzulichten. Nachdem sowohl Vorder- als auch Rückseite abgelichtet worden waren, folgte das Verfassen der Texte für die Sammlung Online. Hier musste ich mich kurzfassen und in nur ein paar Sätzen das Besondere der Medaillen auf den Punkt bringen. Eine gute Übung!

Meine drei Monate am Landesmuseum gingen viel zu schnell vorbei und ich habe noch viel mehr entdeckt und erlebt (deren Ausführungen diesen Blogbeitrag jedoch definitiv sprengen würden!). Dennoch habe ich nicht das Gefühl, alles entdeckt zu haben und freue mich, bald wieder in einem Museum arbeiten zu dürfen!

Abbildungsnachweis und Nutzungsbedingungen

Abb. 1: Miniaturporträt eines bayerischen Oberleutnants, Landesmuseum Württemberg (CC BY-SA 4.0).
Abb. 2: Eintrittskarte für Ferdinand von Steinbeis für die Weltausstellung in Philadelphia, 1876, Staatsarchiv Ludwigsburg, PL 702, Foto: Wiebke Werther (CC BY-SA 4.0).
Abb. 3: Audienzkarte für Ferdinand von Steinbeis für das Smithsonian Institute, 23. November 1876, Staatsarchiv Ludwigsburg, Bü 41, Foto: Wiebke Werther (CC BY-SA 4.0).
Abb. 4: Auswahl der Medaillen im Münzkabinett, Landesmuseum Württemberg (CC BY-SA 4.0).

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