„Leidenschaft und Forschung. Die archäologische Sammlung Hohenzollern“ – Einblick in die neue Sonderausstellung

Warum sammeln Menschen? Welche Motive stehen hinter der Sammlung? Wie prägte es die Archäologie? Welche Bedeutung haben diese Objekte heute?

Unsere neue Sonderausstellung „Leidenschaft und Forschung. Die archäologische Sammlung Hohenzollern“ im Ständesaal des Alten Schlosses präsentiert Ihnen eine bedeutende archäologische Privatsammlung. Aus dem Herzen der Hohenzollernalb, direkt in unsere Vitrinen. Lange Zeit für die Öffentlichkeit nicht zugänglich – nun ein ganz exklusiver Einblick.

Zwei silberne Scheiben mit Ösen und Noppen vor dunklem Hintergrund.

Abb. 1: Besondere Objekte aus der Sammlung: Die Hettinger Silberscheiben waren namensgebend für alle Zierscheiben diesen Typs.

Die Idee der Ausstellung

2021 konnte das Landesmuseum Württemberg die archäologische Sammlung des Fürstenhauses Hohenzollern-Sigmaringen übernehmen. Dabei handelt es sich um rund 8.000 Objekte von der Steinzeit bis ins frühe Mittelalter. Die Ausstellung zeigt 90 ausgewählte Objekte anhand des Netzwerks der Personen, welche die Sammlung aufgebaut haben und verrät mehr über die Sammlungsmotive. Ausgehend von Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen, dem Gründer der Sammlung, können die Besucher*innen tiefer in die Geschichte der Sammlung und die Entstehung der frühen Archäologie im Land eintauchen. Der Besuch der Ausstellung ist kostenfrei.

Spannende Führungen lassen die Ausstellung vor Ort entdecken, einen Blick hinter die Kulissen werfen und die Geschichten besonderer Objekte kennenlernen.

Von Steingeräten aus Dänemark bis zu frühmittelalterlichen Grabbeigaben

Blick in die Ausstellung, im Zentrum eine Vitrine mit metallzeitlichen Objekten. Ein Gefäß, ein Schwert und mehrere Schmuckstücke.

Abb. 2: Vitrine mit Objekten aus der Bronze- und Eisenzeit, die dem adeligen Sammler Baron von Mayenfisch zugeordnet werden.

Folgen Sie Baron von Mayenfisch zu den Grabhügellandschaften der Hohenzollern Alb, entdecken Sie die prunkvollen apulische Vasen des Fürstenpaares und finden Sie heraus, welche Geschichte des Sammelns sich hinter der sogenannten „Nordischen Steinzeit“ verbirgt.

Bei der „Nordischen Steinzeit“ handelt es sich um eine Sammlung von Steingeräten (siehe Abb. 3), welche allesamt aus Dänemark stammen. In Folge des Deutsch-Dänischen Krieges 1864 und dem Verlust von Holstein und Teilen Schleswigs, musste Dänemark neue Ackerflächen schaffen. Dafür wurden Wälder gerodet, Moore trockengelegt und zahlreiche archäologische Objekte traten zu Tage. So viele, dass deutsche Kaufleute die Chance ergriffen und die Objekte günstig ankauften. Sie erstellten vorkonfektionierte Sammlungen und verschenkten diese an deutsche Adelshäuser – unter anderem an den Fürstenhof nach Sigmaringen. Diese konnten damit ihre Sammlungen erweitern. Im Gegenzug wurde den Kaufleuten Orden verliehen. Das Ganze diente dem gegenseitigen Prestigegewinn. Ähnliche Sammlungen sind bereits aus Stuttgart und Karlsruhe bekannt.

24 Steinobjekte in verschiedenen Formen und Größen vor dunklem Hintergrund.

Abb. 3: Eine Auswahl der Objekte „Nordische Steinzeit“ – von Beilen über Klingen und Messern hin zu Dolchen.

Eine Wissenschaft entsteht

Eingebunden wird die Sammlung in die Wissenschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts und die Entstehung des Faches Archäologie. Eine Zeit, in der sich in der Wissenschaft viel verändert hat. Neue Erkenntnisse und Theorien von Wissenschaftlern wie Charles Darwin und Charles Lyell rissen der Menschheit den Boden unter den Füßen weg und veränderten den Blick auf die Vergangenheit. Lokale Größen des Faches, wie Ludwig Lindenschmit der Ältere und Otto Tischler, diskutierten hitzig deren Anwendung in Deutschland.

Interessierte Besucher*innen können zudem im Bereich der Leseecke vertieft in das Thema einsteigen.

Blick in die Ausstellung: Im Vordergrund eine Vitrine mit Objekten, dahinter große Tafeln mit Portraits und Texten.

Abb. 4: Die Entwicklung der frühen Archäologie im Land wird anhand von Biografien und Theorien verschiedener Wissenschaftler sichtbar.

Lesebereich und kritische Fragen

Warum muss Charles Darwin auch immer kritisch betrachtet werden? Gab es auch sammelnde Frauen im 19. Jahrhundert? Was hat das Thema Sammeln mit dem Kolonialismus zu tun?

Diesen und weiteren Fragen können sich die Besucher*innen im Bereich einer gemütlichen Leseecke stellen. Gedanken, Meinungen und Notizen können notiert und für die nächsten Personen hinterlassen werden.
Der Lesebereich bietet ein breites Spektrum an verschiedener Literatur zum schmökern und lesen in deutscher und englischer Sprache. Von alt bis neu, vom Sachbuch über kritischen Kommentar hin zum Kinderbuch widmen sich die ausgelegten Bücher dem großen Thema Sammeln und Wissenschaft im 19. Jahrhundert.

Schwere, schwarze Polstermöbel um eine Tischgruppe und Kisten gefüllt mit Büchern.

Abb. 5: Die Sessel im Lesebereich laden zum Verweilen ein.

Virtuell und in Präsenz

Mit der kostenlosen LMW-App können Sie die Ausstellung sowohl vor Ort als auch von zu Hause aus entdecken. Die Tour ist verfügbar auf Deutsch und Englisch, sowie in einfacher Sprache, Deutscher Gebärdensprache und als Audiodeskription. Laden Sie sich hier die App herunter. Der Link führt Sie je nach Endgerät automatisch zum richtigen App-Store.

Unser nächster Blogbeitrag zur Ausstellung „Leidenschaft und Forschung. Die archäologische Sammlung Hohenzollern“ wird näher auf das Thema Inklusion und barrierearme Zugänge zur Ausstellung eingehen. Seien Sie gespannt!

Literaturtipps

Neugierig geworden? Es folgen Lesetipps rund um die Archäologie in Hohenzollern:

1. Edwin Ernst Weber (Hrsg.), Die Vor- und Frühgeschichte im Landkreis Sigmaringen, Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Sigmaringen 13 (Meßkirch 2016).
2. Klaus Georg Kokkotidis et al., Der Mann mit dem Goldhelm. Das frühmittelalterliche „Fürstengrab“ aus Gammertingen, Kreis Sigmaringen, hrsg. von der Kulturstiftung der Länder in Verbindung mit dem Landesmuseum Württemberg, Patrimonia 384 (Berlin/Stuttgart 2019).
3. Rainer Kreutle, Die Altertümersammlung der Fürstlich Hohenzollernschen Sammlung in Sigmaringen: ein bewegliches Kulturdenkmal. In: Nachrichtenblatt des Landesdenkmalamtes 3 (1999), 151 – 157.

Abbildungsnachweis und Nutzungsrechte

Titelbild: Links: Fotografien archäologischer Objekte aus der Sammlung Hohenzollern. Rechte: LMW [CC BY 4.0]; Rechts: Gezeichnete Objekte aus der Sammlung Hohenzollern. Rechte: Bayerische Staatsbibliothek [Public Domain Mark 1.0].
Abb. 1: Landesmuseum Württemberg, Jonathan Leliveldt, Mark Damian [CC BY 4.0].
Abb. 2: Landesmuseum Württemberg, Jonathan Leliveldt, Mark Damian [CC BY 4.0].
Abb. 3: Landesmuseum Württemberg, Jonathan Leliveldt, Mark Damian [CC BY 4.0].
Abb. 4: Landesmuseum Württemberg, Jonathan Leliveldt, Mark Damian [CC BY 4.0].
Abb. 5: Landesmuseum Württemberg, Jonathan Leliveldt, Mark Damian [CC BY 4.0].

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.