Unterwegs mit Freunden… im „kaiserlichen Wien“

Ein lohnendes Ziel

St. Petersburg, Edinburgh, Amsterdam…. Einmal im Jahr erkunden die Freunde und Freundinnen der Gesellschaft zur Förderung des Landesmuseums in unserer Begleitung eine europäische Kulturmetropole. Zu dieser Gruppe gehören diejenigen, die sich in besonderer Weise um das LMW verdient machen, immer wieder Projekte und Ausstellungen unterstützen und fördern.

Diesmal ging’s mit Austrian Airlines von Stuttgart nach Wien. Bereits am Flughafen wurden wir von unserer Stadtführerin, Mag. Susanne Holper, erwartet, die uns in den folgenden vier Tagen zu allen Stationen begleitete und uns ebenso kompetent wie angenehm „ihr Wien“ vorstellte.

Die Stadt zeigte sich ebenfalls von ihrer allerbesten Seite und empfing die Reisenden mit Kaiserwetter, das die Prachtstraßen und Paläste am Wegesrand hell erstrahlen ließ. Fast zu schön, um wahr zu sein.

Uns erwartete ein volles und vielseitiges Programm, dessen Organisation unsere Kollegin Verena Schäfer, Volontärin in der Abteilung Drittmittel, Veranstaltungen und Gremien, fast ein Jahr beschäftigt hat: gemeinsam erste Ideen sammeln, Machbarkeiten prüfen, ändern und ergänzen und dann letztendlich die Detailplanung mit einem Reisebüro. Alles musste genau überlegt werden: Welche Sehenswürdigkeiten repräsentieren am besten das kaiserliche Wien? Welche außergewöhnlichen Orte können berücksichtigt werden? Welches Hotel kommt in Frage? Welche Restaurants sind zu empfehlen und können eine Gruppe von 15 Personen aufnehmen? Ist alles möglichst fußläufig zu erreichen? Dies und vieles mehr gab es im Vorfeld zu bedenken.

Insider-Wissen

Fritz Fischer begrüßt unsere Gruppe an seiner neuen Wirkungsstätte in der Hofburg.

Fritz Fischer begrüßt unsere Gruppe an seiner neuen Wirkungsstätte in der Hofburg. ©Gerd Plöger, CC BY-SA.

Großartige Unterstützung bekamen wir von unserem ehemaligen Kollegen Dr. ­Fritz Fischer, bis 2016 Leiter der Kunst- und Kulturgeschichte am Landesmuseum, jetzt Direktor der weltlichen und geistlichen Schatzkammer und der kaiserlichen Kunstkammer am Kunsthistorischen Museum Wien (KHM). Er gab nicht nur Tipps zu Kunst, Kultur und Kulinarik, sondern arrangierte auch das, was die Reise besonders machte:

Ein Besuch in der Präsidentschaftskanzlei, dem Sitz des österreichischen Bundespräsidenten. Dieser residiert im ehemaligen Machtzentrum der Habsburger, der geschichtsträchtigen Hofburg, genauer gesagt im Leopoldinischen Trakt der Anlage. Seit 1946 befindet sich sein Amtssitz in den prunkvollen Apartments der legendären Kaiserin Maria Theresia (1717–1780). Wir gehörten zu den wenigen exklusiven Gruppen, die diese Räumlichkeiten besichtigen dürfen. Während Bundespräsident Alexander van der Bellen in New York bei der UN-Vollversammlung weilte, erhielten wir eine sehr fachkundige Führung durch das historische Ambiente und Erläuterungen zu den dort ausgestellten Kunstschätzen. Im Anschluss durften wir uns sogar für ein Gruppenfoto um den präsidialen Schreibtisch versammeln. Der erste schnelle Blick täuscht: Nein, zu sehen ist nicht die für unsere Gruppe gehisste deutsche Fahne, sondern diejenige unseres Nachbarlandes Belgien, und zwar zu Ehren von dessen Königspaar, das nach uns in den Räumlichkeiten weilen sollte.

Unsere Reisegruppe im Empfangszimmer des österreichischen Bundespräsidenten in der Hofburg

Unsere Reisegruppe im Empfangszimmer des österreichischen Bundespräsidenten in der Hofburg. ©Susanne Holper, CC BY-SA.

Auch einen Empfang im Dorotheum, dem größten Auktionshaus im deutschsprachigen Raum, das Kaiser Joseph I. (1678–1711) vor mehr als 300 Jahren gegründet hat, verdanken wir dem Engagement von Fritz Fischer. Mit einem der heutigen Mitgesellschafter entspann sich eine interessante Diskussion über die Arbeitsweise des Kunsthandels, die wachsende Bedeutung der Online-Verkäufe und die Möglichkeiten zur Klärung von Provenienzen der angebotenen Kunstwerke. Im Hauptsaal konnten wir einige Gemälde besichtigen, die demnächst zur Versteigerung kommen.

Überirdisch und unterirdisch

Blick in den Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek

Blick in den Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek. ©Gerd Plöger, CC BY-SA.

Einen architektonischen Höhepunkt unserer Tour stellte der Prunksaal der ehemaligen Hofbibliothek dar, heute Schauraum der Österreichischen Nationalbibliothek. Kaiser Karl VI. (1685–1740) ließ diesen eindrucksvollen Barockbau von seinem Hofarchitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656–1723) errichten. Besonders beeindruckend ist das Motiv der Säulenpaare im Innenraum, die als „sprechende“ Bauelemente nicht nur an die Antike erinnern, sondern auch an das persönliche Sinnbild des aus Spanien nach Wien gekommenen Kaisers: die „Säulen des Herakles“ symbolisieren Gibraltar und damit seinen Herrschaftsanspruch über die iberische Halbinsel. Karl, als „Apoll der Musen“ im Mittelpunkt des zentralen Kuppelraums dargestellt, ließ hier auch die berühmte Bibliothek des Feldherrn und adeligen Sammlers, Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736), aufstellen. Zu ihr gehörte unter anderem die Kopie der antiken römischen Straßenkarte, die „Tabula peutingeriana“.

Nach so viel himmelsgleichem Barock ging es hinab in die kaum weniger prächtige Schattenwelt Wiens. Seit 1622 dient die Kapuzinergruft als Grablege der Habsburger. Sie verkörpert dadurch auch den über Jahrhunderte währenden Machtanspruch dieser Dynastie. Mehr als 140 Familienmitglieder, darunter 12 Kaiser und 17 Kaiserinnen wie Maria Theresia und Elisabeth („Sissi“, 1837–1898), haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Kulturgenuss vom Feinsten

Einen Schwerpunkt der Reise bildeten natürlich die Wiener Museen mit ihren exzellenten Sammlungen: Einen ganzen Tag verbrachten wir im Kunsthistorischen Museum, erfreuten uns an dem herausragenden Bestand der Gemäldegalerie und der qualitätvollen Antikensammlung. Dürer, Raffael und Velázquez durften ebenso wenig fehlen wie Skulpturen aus Ägypten, Zypern und Athen. Fritz Fischer führte uns durch seinen neuen Arbeitsplatz: die Schatzkammer in der Hofburg und die Kunstkammer des KHM. Einfach überwältigend wirken die einzigartigen Krönungsinsignien und Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reiches mit Krone, Schwert, Heiliger Lanze, Reichsevangeliar und Kreuz. Sie führen uns die Macht der Kaiser und den Anspruch auf ein Gottesgnadentum als Legitimation für ihre Herrschaft vor Augen.

Olaf Siart führt in der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums.

Olaf Siart führt in der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums. ©Gerd Plöger, CC BY-SA.

Eine funktionierende Marketing-Kampagne des Belvedere.

Eine funktionierende Marketing-Kampagne des Belvedere. ©CC BY-SA.

Und natürlich… auch wir wollten für einen „Kuss“ ins Obere Belvedere, die ehemalige prachtvolle Sommerresidenz des Prinzen Eugen, das heute eine der wertvollsten Kunstsammlungen Österreichs beherbergt. Teilweise ist die originale Ausmalung der Schlossräume erhalten geblieben. Hier wirkte unter anderem Carlo Innocenzo Carlone (1686–1775), der auch im Schloss Ludwigsburg wichtige Fresken schuf. Hauptwerke der Mittelalter- und der Barocksammlung österreichischer Kunst, wo wir noch so manche Spur nach Schwaben entdeckten, leiteten über zu den absoluten Wiener Highlights von Klimt und Schiele. „Der Kuss“ von Gustav Klimt (1862–1918), ursprünglich „Das Liebespaar“, ist zentraler Touristenmagnet und begehrtes Selfie-Motiv, vielfach fotografiert, insbesondere von Gruppen aus Asien.

Ein bisher weniger bekanntes Kleinod ist die Gemäldesammlung der Akademie der Bildenden Künste, der ältesten Kunsthochschule Mitteleuropas. Sie präsentiert sich mit einer Interimsausstellung im traditionsreichen Palais Lobkowitz. Wir erhielten eine kenntnisreiche Führung durch die Direktorin, Dr. Julia Nauhaus, zu Werken von Bosch, Rembrandt, Rubens und Tizian.

Operngenuss während der Sanierung der Staatsoper.

Operngenuss während der Sanierung der Staatsoper. ©CC BY-SA.

Was wäre das kaiserliche Wien ohne die 1869 in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph (1830–1916) und Kaiserin Elisabeth eröffnete Oper? Wir genossen den „Werther“ von Jules Massenet (1842–1912), ein Werk, das dort 1892 zur Uraufführung kam. Doch warum sollte es Wien anders gehen als Stuttgart? Auch das Wiener Haus muss renoviert werden. Der Betrieb geht trotz der unvermeidbaren Einschränkungen weiter: Wir verbrachten die Pause in einem außergewöhnlichen Ensemble aus Gerüsten und Kronleuchtern.

Aber bitte mit Schlagobers

Wien fasziniert nicht nur durch eine traditionsreiche Herrscherdynastie, die die Geschicke Europas über Jahrhunderte maßgeblich bestimmt hat, sondern auch mit seiner ausgezeichneten Küche. Insbesondere die süßen Leckereien der K. u. K. Hofzuckerbäckerei Gerstner und die originale Sachertorte haben es uns angetan. Eine Weinprobe brachte uns Wiener Merlot, Grünen Veltliner (die in Österreich meist angebaute weiße Rebsorte), sowie den Gemischten Wiener Satz näher, einen Tropfen, der mindestens drei Rebsorten aus demselben Weingarten vereint.

Am Tortenbüffet bei Gerstner, K. u. K. Hofzuckerbäckerei.

Am Tortenbüffet bei Gerstner, K. u. K. Hofzuckerbäckerei. © Gerd Plöger, CC BY-SA.

Wir wundern uns nicht, dass Wien gerade zum wiederholten Male zur lebenswertesten Großstadt der Welt gekürt wurde. Auch unsere Gruppe hat die Stadt ins Herz geschlossen. In Gedanken noch immer in der großartigen Kunst und Kultur schwelgend, wohl genährt und gut gelaunt, machten wir uns nach vier intensiven Tagen auf den Heimweg nach Stuttgart.

Die eine oder der andere macht sich bereits Gedanken, wohin uns die Reise im nächsten Jahr führen soll…

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