Neuzugang im Münzkabinett

So könnte die Woche immer anfangen! Vor einiger Zeit fand ich am Montagmorgen auf meinem Schreibtisch eine kleine Schachtel. Darin lag ein Objekt, das eine Besucherin dem Landesmuseum Württemberg als Geschenk überlassen hatte. Es handelt sich um eine Brosche, die gut ein Jahrhundert alt ist. Doch warum landet eine Brosche bei mir im Münzkabinett und nicht bei meiner Kollegin Maaike van Rijn, die bei uns den Schmuck aus dem 20. Jahrhundert betreut?

Vorderseite der patriotischen Brosche

Vorderseite der patriotischen Brosche
© Landesmuseum Württemberg

Die Antwort ist einfach: Dieses Schmuckstück besteht aus Münzen: aus zwei russischen 10 Kopeken-Münzen von 1910 und 1913, einem weiteren 10 Kopeken-Stück von 1913, bei dem der Adler ausgestanzt wurde, und einem Anhänger mit der Aufschrift KRIEGSANDENKEN 1915 AUS WARSCHAU. Diese vier Elemente wurden mit Ösen, einer Einfassung, einer Kette sowie einer Nadel auf der Rückseite versehen und so zu einer patriotischen Brosche umgearbeitet, die an die Erfolge im Ersten Weltkrieg erinnert.

Rückseite der patriotischen Brosche

Rückseite der patriotischen Brosche
© Landesmuseum Württemberg

Im Sommer 1915 drängten die deutschen Truppen die russischen immer weiter nach Osten zurück, am 5. August wurde Warschau eingenommen. Kurz darauf stellte ein deutscher Soldat aus drei russischen Münzen und einem Anhänger dieses Schmuckstück her. Besonders beeindruckt mich die mühevolle Feinarbeit bei der mittleren Münze: Mit größter Genauigkeit wurde der doppelköpfige Zarenadler freigestellt. Ich weiß nicht, wie lange der Soldat dafür wohl gebraucht hat. Und auch nicht, wer er war (und die Schenkerin konnte mir leider auch keine Informationen geben).

Aber ich weiß, dass diese Brosche die Bestände zum Ersten Weltkrieg im Münzkabinett wunderbar erweitert. Und dass es ein Neuzugang ist, der für mich völlig überraschend kam und mir den Wochenauftakt versüßte!

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