Faszination Schwert heute: Ein Schwertsammler und seine Liebe zum Schwert

Wikingerschwerter, Klingen der Kreuzfahrerepoche, schottische Breitschwerter und Filmwaffen aus „Herr der Ringe“ oder „Conan der Barbar“ – ich sammle seit Jahren Schwerter. Es sind natürlich keine kostbaren Originale, sondern bezahlbare Repliken. Und jetzt sieht meine Wohnung aus wie eine Melange aus Bibliothek, Museum und Rüstkammer. Zugegeben: Es ist schon eine recht kuriose Leidenschaft, wenn man sich im 21. Jahrhundert mit Schwertern umgibt. Aber was macht das Faszinosum aus?

Faszination und Vorurteile

Den Vorwurf latenter Gewaltfantasien erheben nur Menschen, die mich nicht kennen. Ich darf zudem auf ein blütenweißes polizeiliches Führungszeugnis verweisen. Natürlich wird auch zuweilen von Jüngerinnen der Psychologie eine freudianische Interpretation in den Raum geworfen, die ich aber stets brüsk abzulehnen pflege. Schon lange bevor ich als Junge festgestellt habe, dass Mädchen doch nicht so „doof“ sind, wie ich dachte, haben mich Schwerter begeistert.

Von Plastik zu Stahl

Höhepunkt beim Besuch der Schützenfeste meiner rheinischen Heimat war die Akquise eines neuen Schwertes aus biegsamem Kunststoff. Meine erste Klinge aus Stahl schmiedete mir ein Cousin meiner Mutter, der an der Mosel eine kleine Dorfschmiede betrieb. Das Schwert war grob und ungemein schwer und ich hatte damals in meinen Knabenarmen keine Kraft, es lange zu halten. Doch wie stolz war ich, endlich den Epochenwechsel von der kindlichen Ägide des Plastiks zur Eisenzeit vollzogen zu haben.

Die Freude am Schwert sollte mich die nächsten 45 Jahre nicht verlassen. Anfänglich eine mühsame Suche nach den begehrten Objekten, bietet mittlerweile der Handel eine große Auswahl von Blankwaffen an. Die Produktpalette umfasst alle Epochen und die Qualität reicht von der billigen Dekowaffe aus Indien bis zu den hochwertigen Museumsrepliken einer Edelschmiede in den USA.

Lebendige Geschichte

Eine edle Klinge bereitet nicht nur optisches Vergnügen, sondern auch ungemeinen haptischen Genuss, wenn sie nur gut ausbalanciert ist. Was aber Schwerter für mich einzigartig macht: Sie können zuweilen eine Verbindung zur Vergangenheit herstellen, die nicht rational zu erklären ist. Plötzlich fühlt man sich wie an Bord eines Drachenschiffes oder vermeint vor den Mauern Jerusalems zu stehen. Mit einem Schwert in der Hand wird Geschichte lebendig.

3 Kommentare zu “Faszination Schwert heute: Ein Schwertsammler und seine Liebe zum Schwert”

  1. warum brauche ich erst einen Duden, um den Beitrag zu lesen? Haptisch… Berühren. Wieviele Begriffe zieren unsere schöne Sprache, um dieses Fremdwort zu umgehen? Wie blumenreich könnte man das in unserer Sprache benennen, anstatt ein griechisches Wort zu benützen? – Vielleicht es einfach nur sagenhaft geil, solch ein Schwert zu „begriffeln“ zu fühlen, zu wiegen, machtfühlig einige Hiebe durch die Luft zu machen und dabei eine der wichtigsten Waffen in der Entwicklung der Menschheit in Händen zu halten?

  2. Du sprichst mir aus der Seele, meine Wohnung sieht ganz genau so aus. Bücher über Bücher und dazwischen Schwerter. Ich bin dann auch noch auf diversen Mittelaltermärken zugange.

  3. Hallo! Ich hätte mal eine Frage…. Vielleicht kannst Du sie mir ja beantworten. IM Braunschweiger Dom gibt es eine faszinierende Grablege von Heinrich dem Löwen aus Stein. In der Hand hält er ein großes Schwert. Dieses Schwert ist mit einem Lederband o.ä. ummantelt. Was bedeutet das? LG Elke

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