Faszination? Ja! – Gewaltverherrlichung? Nein!

Ist eine Ausstellung, die das Schwert ins Zentrum ihrer Betrachtungen rückt, nicht zu martialisch und gewaltverherrlichend? Und ist sie überhaupt zeitgemäß? Mit diesen Fragen wurden wir im Zuge der Vorbereitungen immer wieder konfrontiert.

Alles nur Verharmlosung von Gewalt?

Warum sprechen wir eigentlich von der „Faszination Schwert“? Zweifelsohne, das Schwert zieht in seinen Bann – und das schon seitdem es diese Waffe gibt. Als kostbarer Gegenstand ist es Kennzeichen der Elite und wird sogar in zahlreichen Sagen besungen und mit Namen versehen.

Diese Faszination hält auch heute noch an: Gefesselt verfolgen wir die teils atemberaubenden Schwertkämpfe unserer Lieblingshelden in Filmen, Serien und PC-Spielen. Dank Zeitlupe und sorgfältig ausgearbeiteten Choreografien führen diese kunstvoll ihre Waffe, scheinbar unbeschwert – und am besten noch mit einem lässigen Spruch auf den Lippen. Das Schwert: Die Waffe aller Rechtschaffenen und Auserwählten, der Helden – und auch der Heldinnen.

Doch seien wir ehrlich: Die Realität sah und sieht ganz anders aus. Das Schwert verletzt, entstellt, tötet. Das Schwert war sogar der erste Gegenstand, den der Mensch nur zu dem Zweck entwickelte, einen anderen Menschen umzubringen. Es ist eine blutige Waffe. Daran kann nicht gerüttelt werden. Das eigene Schwert an der Seite und dessen gute Führung war dem Krieger eine Garantie für das nackte Überleben im unübersichtlichen und ohrenbetäubenden Schlachtgemenge.

Zwischen Ideal und Wirklichkeit

Medaille; Inv. MK 3545, Medailleur Karl Goetz (gest. 1950)

Medaille mit „Jung Siegfried“ über vierköpfigem Monster (1915) © Landesmuseum Württemberg

Diesem augenscheinlichen Widerspruch wird in der Ausstellung nachgegangen. In einer Einheit behandeln wir etwa anhand von Reproduktionen mittelalterlicher Bildquellen und von Fotos archäologischer Grabungen die körperlichen Folgen des Schwertkampfs.

Denn seien es zerteilte Knochen oder gespaltene Schädel: Im Kampf konnten Schwerter entsetzliche Wunden schlagen. Von Schrammen über tiefe Scharten bis hin zu abgetrennten Gliedmaßen und tiefen Stichwunden verursachten sie eine Vielzahl verschiedenartiger Verletzungen.

Dem folgt ein Raum, in dem es wiederum um die Idealisierung des Schwerts geht. Es gewann nämlich in der Propaganda zusehends an Bedeutung, als es als Waffe ab dem 17. Jahrhundert auf den Schlachtfeldern ausgedient hatte.

In der Hand eines tapferen Helden im Kampf für das Gute gegen das Böse wurde es dann im 19. Jahrhundert zum Symbol für nationale Wehrhaftigkeit auf zahlreichen Denkmälern, Medaillen und Plakaten. Höhepunkt war der Erste Weltkrieg (1914–1918), als die Inszenierung des ehrenhaften Zweikampfs Mann gegen Mann oder Mann gegen Bestie die grausame Wirklichkeit des ersten industriell geführten Kriegs der Massen völlig ausblendete.

Zerstörung des Schwerts = Frieden!

© Patti McConville / Alamy Stock Photo

„Schwerter zu Pflugscharen“ (1957) im Garten des UNO-Hauptquartiers (New York/USA) © Patti McConville / Alamy Stock Photo

Weil das Schwert so ein wichtiger Teil der Kriegspropaganda war, wurde es auch zunehmend von Gegenbewegungen als Symbol schlechthin für Gewalt und Unrecht gedeutet. Die Zerstörung des Schwerts kam der Forderung nach Frieden gleich.

So übernahm etwa die Friedensbewegung der ehemaligen DDR in Anlehnung an die alttestamentliche Prophezeiung des kommenden Friedensreiches Gottes (Micha 4) die Parole „Schwerter zu Pflugscharen“. Als Logo wählten sie die Bronzestatue von Jewgeni Wutschetitsch (1908–1974), die den Bibelvers künstlerisch umsetzte. Die Sowjetunion schenkte die Skulptur 1959 den Vereinten Nationen.

Darüber hinaus werden wir uns in einer Podiumsdiskussion dem Thema „Faszination Gewalt“ widmen. Dort soll unter anderem der Frage nachgegangen werden, wie sehr die Medien unsere heutige Gesellschaft beeinflussen, weil wir durch sie täglich einem nicht unbeachtlichen Maß an Gewaltkonsum ausgesetzt sind.

Das Schwert als kulturhistorisches Phänomen

Über die reine Funktion des Schwerts als Tötungswaffe und seine technische Entwicklungsgeschichte hinaus, bietet die Untersuchung des Themas also zahlreiche spannende Einblicke in die westeuropäische Kulturgeschichte. So spielt es in den Bereichen der Machtinszenierung, der Religion oder des Rechts sowie in Heldengeschichten und der heutigen Populärkultur eine zentrale Rolle. Es war daher höchste Zeit, diesem Gegenstand eine Ausstellung zu widmen, die ihn nun ab 13. Oktober 2018 im Alten Schloss in all diesen Facetten beleuchtet.

7 Kommentare zu “Faszination? Ja! – Gewaltverherrlichung? Nein!”

    1. Die rechte Abbildung ist der sogenannte „Wundenmann“ aus der englischen Handschrift „Anatomia“ (Pseudo-Galen, Mitte 15. Jahrhundert).

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