Ein Bleyle-Kinderoutfit für die „Fashion?!“-Ausstellung

Bleyle Knaben-Pullover

Im Rahmen der Vorbereitung der Großen Landesausstellung „Fashion?! Was Mode zu Mode macht“ habe ich als Praktikantin nach regionalen Modebetrieben recherchiert. Auf meiner Zeitreise durch die Geschichte der württembergischen Textil- und Strickwarenindustrie stieß ich auf die Firma Bleyle als eine der einst bekanntesten Stuttgarter Modemarken. Im Jahr 1889 vom Österreicher Wilhelm Bleyle gegründet, wurde das Strickwarenunternehmen vor dem ersten Weltkrieg vor allem für seine gesunden und praktischen Knaben- und Matrosenanzüge bekannt.

In der Ausstellung werden zwei Objekte aus der Sammlung des Museums der Alltagskultur in Schloss Waldenbuch gezeigt: Ein langärmliger, hellbrauner Baumwollpullover, der mit seiner angenähten, dunkelblauen Krawatte eher an eine Jacke erinnert. Dazu eine kurze, dunkelblaue Hose. Die Kombination aus den 1950er Jahren ist eine Variante des typischen gestrickten Bleyle-Kinderanzugs.

Matrosenanzüge für alle

Kinderkleidung entstand erstmals in der Zeit der Aufklärung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Matrosenanzug zum Inbegriff von eleganter Knabenmode. Als der englische Prinz Edward VII. 1846 in einem Matrosenanzug portraitiert wurde, verbreitete sich die Mode schnell in britischen Adelskreisen. Spätestens als Königin Victoria ihrem Enkel, dem späteren deutschen Kaiser Wilhelm II. einen solchen schenkte, wurden die maßgeschneiderten Stücke auch in Deutschland beliebt. Erst die industriell nach Konfektionsgrößen gefertigten Anzüge der Firma Bleyle machten die modischen Must-haves für bürgerliche Mittelschichten erschwinglich.

Gesund, praktisch und günstig

Emailplakat, 1930er Jahre

In den 1890er Jahren expandierte der Markt für bezahlbare Kinderkleidung und das Thema Hygiene und Gesundheit waren in Bezug auf Kleidung in aller Munde. In seinen Werbekampagnen machte sich Bleyle die vom Stuttgarter Professor Gustav Jäger vertretene Theorie, dass Wollstoffe eine angemessene Luftzirkulation und korrekte Ausdünstung ermöglichen, zunutze. Neben einem eleganten Schnitt und guter Passform mussten die Anzüge auch haltbar sein. Durch die leichte Waschbarkeit der Produkte, das Beilegen einer Pflegeanleitung und passender Garne zum Flicken sowie das Angebot eines Reparaturservices wurde die Zielgruppe der bürgerlichen Hausfrauen entlastet. Besonders die beschleunigte Fertigung durch die Einführung eines standardisierten Größensystems für Kinder, das ausgehend von der Körpergröße der Knaben bis heute verwendet wird, führte zum Erfolg für das Unternehmen.

 

Und heute?

Outfit macarons Fashion

Trotz des Konkurses der Firma Bleyle 1988 gehört die württembergische Strickwarentradition noch nicht der Vergangenheit an. In der kommenden Großen Landesausstellung wird ein weiteres Kinderoutfit ausgestellt. Ein Kinderensemble des Stuttgarter Modelabels “macarons fashion”. Das von Julie und Veit Kohlhoff 2011 gegründete Label ist ein Beispiel für die Wiederbelebung regionaler Textilproduktion und bekannt für seine Baby- und Kindermode aus Bio-Rohfasern. Die Strickstoffe für die bunte Kinderkleidung werden auf der Schwäbischen Alb produziert, während die gewebten Textilien aus der Schweiz kommen. Macarons setzt auf Nachhaltigkeit und ähnlich wie auch schon die Firma Bleyle auf Bewegungsfreiheit und natürliche Materialien.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.