Willkommen in der Kunst- und Wunderkammer

„Zween große Schnecken von Perlmutter in Gold gefaßt.“

So nennt eine Inventarliste im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart ein Paar von Turboschneckenpokalen. Sie kommen aus der Werkstatt des Nürnberger Goldschmiedemeisters Hans Pezolt (1551-1630). Ihr Gewicht beträgt jeweils 2.693,0 Gramm und sie stammen aus den Jahren um 1603/1609.

Wer hat’s gemacht?

Als Meister lässt sich an Hand des Meisterzeichens Hans Pezolt identifizieren. Diese sogenannten Punzen in Form von Namensinitialen oder Bildmotiven gaben Hinweise auf ihre Inhaber und spielten auf deren  Namen an. In diesem Fall haben wir es mit einem „sprechenden“ Meisterzeichen zu tun.

Es stellt einen gehörnten Widderkopf im Schild dar, was auf den Begriff „Betz“ oder „Betzele“ anspielt und im Fränkischen mundartlich „Schaf“ oder „Lamm“ bedeutet. Hans Pezolt belieferte seine Heimatstadt Nürnberg in den Jahren zwischen 1595 und 1614 mit 64 Pokalen. Er war neben Wenzel Jamnitzer der bedeutendste Renaissance-Goldschmied Nürnbergs.

Absolut einmalig oder sehr begehrt? Beides!

Das Kunstgewerbemuseum in Budapest besitzt einen Pokal, der bis auf wenige Variationen im Ornament weitgehend identisch ist mit den beiden Stuttgarter Pokalen. Ein Umstand, der auf eine fast serielle Herstellung der Kleinplastik hindeutet. In der amerikanischen Sammlung Busch-Resinger des Harvard Museums befindet sich eine galvanoplastische Kopie. Als Originalpaar sind die Stuttgarter Pokale einmalig.

Gut versteckt

Blinde Passagiere mit Tarnfunktion: Im Inneren der Schnecke des Pokals ist über einer Reparaturstelle mit Perlmuteinsatz eine silbergegossene Eidechse eingesetzt.

Die Eidechse im Inneren der Schnecke verdeckt eine Reparaturstelle

Die Eidechse im Inneren der Schnecke verdeckt eine Reparaturstelle

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