Kultur digital sichtbar machen – Museen auf dem Weg ins Wikiversum

Museen bewahren ein immenses kulturelles Erbe – Objekte, Kunstwerke, historische Alltagsgegenstände – das aber häufig nur lokal zugänglich ist. Die Digitalisierung des kulturellen Erbes eröffnet Museen, Archiven und anderen Kultureinrichtungen neue Wege, Wissen sichtbar, zugänglich und nutzbar zu machen. Offene Daten, freie Lizenzen und digitale Netzwerke sind dabei zu Schlüsselprinzipien zeitgemäßer Kulturarbeit geworden. Sie schaffen die Voraussetzung dafür, dass kulturelles Wissen weit über institutionelle Grenzen hinaus wirkt – eingebettet in ein globales Geflecht von Informationen, Austausch und Teilhabe.

Wissen vernetzen im Wikiversum

Im Frühjahr 2025 startete das Projekt „Aus dem Museum ins Wikiversum: Sammlungsdaten weltweit teilen“. Im Mittelpunkt stand das sogenannte Wikiversum – die Welt der freien Wissensplattformen wie Wikipedia, Wikidata und Wikimedia Commons – wo seit 2001 kulturelle Inhalte weltweit zugänglich und miteinander verknüpft werden. Museen aus Baden-Württemberg und Freiwillige aus der Wikipedia Community arbeiteten gemeinsam daran, kulturhistorische Sammlungsdaten ins Netz zu bringen – und zwar unter freien Lizenzen. Durch die Kooperation mit Wikipedia wurden Bilddaten und Metadaten aus den Museen auf Wikimedia Commons veröffentlicht. Damit werden nicht nur digital sichtbar, sondern auch in globale Wissensnetzwerke eingespeist und damit weltweit (nach)nutzbar werden. Träger des Projekts sind das Landesmuseum Württemberg, Wikipedia:Stuttgart und die Landesstelle für Museen Baden-Württemberg, unterstützt von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg.

Ein zentrales Element ist dabei die Orientierung an den FAIR-Prinzipien: Die Daten sollen auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar sein. Die Verbindung von Museen und Wikimedia schafft so eine multidirektionale Strategie — das Erbe wird nicht nur gesammelt, sondern aktiv geteilt.

Krone der Könige von Württemberg. Reich verziert und mit einem Kreuz auf der Spitze.

Abb. 1: Krone des Königreichs Württemberg

Schaukasten, indem mehrere Schmetterlinge zu sehen sind. Die Schmetterlinge sind gruppiert.

Abb. 2: Papilionidae: Parnassius, Papilio, Iphiclides

Vom Pilotprojekt zum Vorreiter

Figur eines Schweins. Das Schwein trägt eine Haube. Schürze und sitzt auf einem Stuhl.

Abb. 3: Schankkrug „Maitre d’Hotel“

Das Projekt hat Grundlagen geschaffen: Die beteiligten Museen haben sich die notwendige Kompetenz angeeignet und Strukturen geschaffen, um künftig Inhalte selbstständig ins Wikiversum einzubringen und ihre Bestände digital sichtbar zu machen. Die Bilanz spricht für sich: Über 600 veröffentlichte Dateien auf Wikimedia Commons, 334 Postkarten-Metadaten in Wikidata, über 20 aktiv beteiligte Museen und mehr als 10.000 Aufrufe auf den Wikimedia-Plattformen. Einen genaueren Überblick über alle Zahlen bietet die Fortschrittstabelle auf der Projektseite.

Zur besseren Nachvollziehbarkeit wurde für jedes Museum eine eigene Kategorie eingerichtet, sodass jeder Zeit einsehbar ist, wie viele Daten hochgeladen wurden und wie die Objektbilder in Wikipedia-Artikel eingebaut werden. Denn sobald erste Objekte auf Wikimedia Commons oder Wikidata verfügbar sind, werden sie von einer globalen Community in eigene Inhalte eingebunden, kommentiert und weiterverwendet – in der Wikipedia, in Forschungsprojekten, in sozialen Medien. Der Schritt ins Wikiversum bedeutet also nicht nur Veröffentlichung, sondern Teilhabe.

Mit dem Projekt positioniert sich Baden-Württemberg als Vorreiter im Bereich Open Access und offener Kulturdaten. Ziel ist es, die Initiative fortzuführen und weitere Museen, Archive und Sammlungen für offene Kulturarbeit zu gewinnen.

Schwimmbecken mit vielen Personen.

Abb. 4: Gelände des Tübinger Freibades, 1952

Denn am Ende gilt: Jedes frei verfügbare Sammlungsobjekt, jedes offene Datenfeld und jedes freigegebene Bild erweitert den gemeinsamen Raum des Wissens – und bringt das kulturelle Erbe Baden-Württembergs dorthin, wo es hingehört: in die Welt.

Beteiligt sind:

Archäologisches Hegau-Museum Singen, Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg, Badisches Landesmuseum, Deutsches Fleischermuseum Böblingen, Deutsches Uhrenmuseum Furtwangen, Freiburger Münsterbauverein e.V., Glasmuseum Wertheim, Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Museum im Schweizer Hof Bretten, Landesmuseum Württemberg, Ludwigsburg Museum, Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe, Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart, Stadtmuseum Hornmoldhaus Bietigheim-Bissingen, StadtPalais – Museum für Stuttgart, Technoseum Mannheim, Universitätsbibliothek Stuttgart, ZKM – Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Hällisch-Fränkisches Museum, Sammlung Prinzhorn.

Mehr Informationen und eine laufende Dokumentationen des Projekts gibt es auf der offiziellen Wikipedia-Projektseite.

Abbildungsverzeichnis:

Abb.1: Krone des Königreichs Württemberg, Landesmuseum Württemberg, P. Frankenstein / H. Zwietasch (CC BY 4.0)
Abb. 2: Papilionidae: Parnassius, Papilio, Iphiclides, Naturkunde Museum Stuttgart (CC BY 4.0)
Abb. 3: Schankkrug „Maitre d’Hotel“, Deutsches Fleischermuseum (CC BY-SA 4.0)
Abb. 4: Gelände des Tübinger Freibades, 1952, Haus der Geschichte Baden-Württemberg  | Sammlung Gebrüder Metz (CC BY-SA 4.0)

Beitragsbild: Generiert mit Midjourney, KI-Bild (Public Domain Mark 1.0)

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