Der Beginn einer Zeitreise

Wenn eine Restaurierungswerkstatt zum Filmset wird, erwacht im Landesmuseum Württemberg langsam das Spätmittelalter zum Leben. Anfang Februar haben bei uns im Haus Dreharbeiten für eine Zeitreise begonnen, die unsere Besucher mit Virtual Reality ins Jahr 1465 entführen will. Mit der Storz Medienfabrik GmbH werden wir in 360° Aufnahmen das Spätmittelalter nach bestem Wissen, mit echten Schauspielern und notwendigen Requisiten an passenden Schauplätzen erstehen lassen.

Wohin geht die Reise?
Wohl um 1465, genauer können wir das heute nicht mehr sagen, begann in Württembergisch Franken die Planung für ein imposantes Altarretabel. Vielleicht saßen die Künstler in Schwäbisch-Hall, oder vielleicht doch in Heilbronn? Auch hier ist die Quellenlage leider zu dürftig, um präziser werden zu können. Auftraggeberin war Margarete von Stein, Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Lichtenstern – die einzig historisch greifbare Figur bei der ganzen Sache. Um sie herum haben wir unser Drehbuch entwickelt und ihr fiktive Figuren an die Seite gestellt, die bei der Entstehung des Altars mitgewirkt haben könnten.

Beim Test in der Storz Medienfabrik in Esslingen © Landesmuseum Württemberg

Weil der Lichtensterner Altar zurzeit in unserer Gemälde- und Skulpturenrestaurierung aufwendig untersucht wird, haben wir die 360° Kamera auch dort aufgebaut, um die Einzelteile genauer unter die Lupe nehmen zu können. Dieses erste Filmmaterial haben wir letzte Woche getestet und uns auf Bürostühlen vergnügt um die eigene Achse gedreht.

Rekonstruierte Wirklichkeit
Es ist keine leichte Aufgabe 500 Jahre zurückreisen zu wollen. Wie jeder Historienstreifen kann auch unsere Zeitreise nur eine Rekonstruktion von Wirklichkeit sein, die es so nie gegeben hat. Kleidung muss aus Bildquellen nachgeahmt werden, denn nur selten haben sich Alltagstextilien aus der fraglichen Zeit erhalten, aus schriftlichen Quellen können wir zwar den Wortschatz erfahren, aber nur erahnen, wie die Menschen damals sprachen (wir würden sie vielleicht auch gar nicht verstehen) und kaum ein Ort des ausgehenden 15. Jahrhunderts hat sich bis heute unverändert erhalten.
Wir sind sehr gespannt, wie uns diese Zeitreise gelingen wird.

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